wieder der Ruf: „Viktoria!" Sofort kniet alles im Anschlage, denn wir erwarteten einen Überfall, hatten nns aber getäuscht. Es waren einige Pferdehalter mit Handtiercn, die sich im Busch verirrt hatten nnd nun glücklicherweise zu uns stießen. Jetzt tonnten wir wenigstens die Leichtverwundeten ans die Pferde setzen. Um 9,30 Uhr langten wir im Lager an, wo man uns schon verlöre»? gab.
Wenn wir an diesem Tage auch keinen ersichtlichen großen Erfolg errungen hatten, so halte von nns doch jeder das Bewußtsein, ganz seine Pflicht erfüllt zu habeu.
Neube ck e r,
ehem. Unteroffizier der Kaiserl. SchntztrnPPe f. D.-Südwcstafrika.
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Wovon nährten sich unsere Reiter in Sndwestasrika?
In den Feldzügen aller Zeiten hat die Vcrpflcgungsfrage eine große Rolle gespielt. Ist sie schon bei europäischen Kriegen ost recht schwer zu lösen, so gestalten sich die Verhältnisse noch schwieriger, wenn Trnppenmasscn in von der Heimat entfernteren Teilen der Erde Perwendung finden sollen. Vorausgesetzt, daß hier die Verpflegnngsmittel nicht im Überfluß vorhanden find.
Die nachfolgenden Mitteilungen sollen dartun, daß neben den Verpflegungsmitteln aus der Heimat auch unsere Kolonie selbst weit reichere Nahrung bot, als daS gewöhnlich angenommen wird.
Als Landeserzeugnisse kamen Brot, Backwaren, frisches Fleisch, Fische, Butter, Eier, Kartoffeln, Gemüse, Hafer und Gras in Frage Daneben boten einige Feldfrüchte zeitweise Ersatz für fehlende Nahrungs- und Gcnußmittel. Wohl in keinem anderen Lande ist aber das für Menschen und Tiere unentbehrliche Wasser zeitweise so selten oder mangelhaft, wie in Südwestafrika.
Wassermaugel und sehlende Nahrungsmittel bildeten vielfach den einzigen Grund, daß geplante Unternehmungen nicht ausgeführt werden konnten oder vorzeitig eingestellt werden mußten. In einzelnen Gegenden, wie Windhuk, Warmbad, Barmen usw., sind heiße Quellen vorhanden, aus denen fortwährend Wasser fließt, das 6V Grad Celsius und mehr Wärme hat. In Wassersäcke gefüllt, kühlt es sich in etwa einer Stunde ab und bildet dann ein vorzüglich erfrischendes, gesundes Getränk.
Das Brot wurde mit dem aus der Heimat gesandten Mehl hergestellt. Die Flcisch- arten lassen sich in zwei Gruppen trennen, und zwar 1. von den Haustieren, 2. vom Wilde. Von den erstgenannten Arten kamen als Großvieh das afrikanische Rind und als Kleinvieh die Ziege und das Afrikanderschaf in Betracht.
Während früher nur zwei Ninderrassen: das Steppenrind des Hererolandes und das nördliche Owamborind vorkamen, gibt es seit einigen Jahren im Süden des Schutzgebiets mit holländischem Blut gemischte Rinder, sogenannte Namarinder. Neuerdings sind wertvolle europäische Zuchttiere zur Aufbesserung der einheimischen Nassen eingeführt worden. Schließlich kamen als Schlachttiere noch die abgetriebenen und nicht mehr verwendungsfähigen Zugochsen in Frage. Diese Art frischen Fleisches war am wenigsten beliebt. Die Tiere hatten auf den starken Knochen nur geringe, zähe Fleischteile und fast kein Fett. Beim Kauen kam jedem die gründliche Untersuchung der Zähne gelegentlich der Beurteilung der Tropcndienst- fähigkeit in Erinnerung. Das wichtigste ist das Steppenrind. Es hat vierjährig im Dnrch-
') Doch wohl zunl Teil nur in der Nähe der europäischen Farmen und Orte. (D. H.)