— 322 —
Er deutete auf die Pferdcspur, und wir bekamen heraus, daß er uns auf dieser Spur gefolgt sei, als alle anderen geschlafen hätten und er dann seinen Wagenführer vermißte. Daun hörte er unsere Schüsse und gab Antwort. Wir waren dem braven Eingeborenen als unserm Retter daukbar. Ju weitem Kreise waren wir um das Lager gelaufen, das wir nun, unter unseres Witboois Führung, nach Stunde erreichten. So kann's im afrikanischen Buschfelde ergehen, und so ist es so vielen ergangen, die auf diese Art den Tod fanden!
Alfred Schubert,
ehem. Büchsenmacher im 1. Batl. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
-I- -5
»
Aus meinem Tagebuche.
i.
Episoden aus dem Witbooikricgc am Auob.
Nach dem Gefecht mit den Witboois am Auob und ihrer Verfolgung gaben wir uns einige Tage der Ruhe hiu. Während wir vom Feinde unbelästigt blieben, trat für nns
die Heuschreckenplage um so störender auf. Wenn nur uns z. B. einen Topf voll Wafscr, den wir oft ftuudeu- weit mühselig geholt, zum Kochen ans Feuer gestellt hatten, uud nach einiger Zeit einmal hineinsahen, so wurden wir gewahr, daß eine enorme Zahl Heuschrecken hineingeflogen und das Wasser bereits zu Bouillon gekocht war. Die Regenzeit hatte gut eingesetzt, und das Gras war schön aufgegangen, als Plötzlich so ungeheure Mengen von Heuschrecken erschienen, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet worden waren, und große Strecken wie mit einer Decke von der jungen Brüt bedeckt blieben, so daß die Weide vollständig vernichtet wurde. — Auch auf der Verfolgung der Witboois im Auobtal waren wir furchtbarem Wassermangel ausgesetzt. Eiues Mittags hatte sich unser Durst so gesteigert, daß wir uns trotz Verbots au eine schon lange Zeit stehende, sehr übelriechende gelbe Auobpfütze auf den Bauch warfen und so das „edle Getränt" hinuntcrschlürsten, nicht der unzähligen, in ihm umherschwimmenden Würmer achtend, die von darin befindlichen toten Tieren herrührten.
Untervsfizier Lttv Inner.
II.
Stimmungsbild aus den Morengagefechten am Oranjc.
Auf dem Vormarsch nach Hartebeestmund am Oranjcfluß war ich bei der Avantgarde, die ungefähr zwölf Mann stark war und zu Fuß marschierte. Wir zogen immer den Oranje abwärts, am Ufer entlang. Zu beiden Seiten des Flusses dichtes Dornengebüsch, und oft reichen die Berge so nahe ans Ufer heran, daß nicht einmal ein Pferd dort gehen kann. Ich ging mit einem Kameraden ungefähr 100 Meter voraus, um nicht die ganze Spitze in Gefahr zu bringen. Wir marschierten noch spät abends, der Mond schien hell, den Feind wußten wir vor uns. Da kamen wir an eine mächtige, ungefähr drei Meter im Quadrat