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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Am Fischslusz.

Eine Inspektionsreise hatte Major Maercker und mich mit einigen Reitern und unseren Bambusen in die (legend von Innehab gesiihrt. Ans dem Rückmärsche-nach Keet- manuohoop sind wir heute in aller Frühe vom ^ager aufgebrochen nnd nähern uns jetzt laugsam auf den matter werdenden Tieren dem Fischflusse. Es ist ein besonders hecher Dezeinbertag.

Zur Linken begleiten unS hochaufstrebende Bergzüge, in deren Schluchten und Mulden lüo hoch hinauf der Sturmwind weißen Sand gefegt hat, der sich lenchtend von den dnutleu Felswänden abhebt. Weit dehnt sich nach Osten der Blick bis zur blauen Kette der Karras- berge am Horizont. Das mächtige Fischslußgcbiet, von steilen Wänden eingeschlossen, ist erreicht, und der jäh abstürzende Uferrand setzt unserm. Weitermarsch ein Ziel. Aber wo ist der Flnß? Wo sind die Fische? Ein kleines Tümpclchen mir blickt weltverloren ans der ?iese zu uns herauf. Schnell sind die Tiere abgesattelt, und nenbclebt durch den Anblick de-> lockenden" Wassers klettern Rosse und Reiter stolpernd, gleitend nnd rutschend über Klippen nud Felsblöcke in das Flußtal hinab. Die Szenerie des Fischflußriviers ist iu dessen ganzem Laufe von eigenartiger Schönheit; hier speziell fesseln uus Caiions (Täler) von über­raschender Großartigkeit, riesigeu Schluchten gleich iu die Ebene eingeschnittcn.

Nachdem die Tiere getränkt und dem spärlichen Weidegras auf der Höhe zugeführt siud, geheu Major Maercker und ich auf Entdeckungsreisen aus. Ein Frcipaß ist uns von den Hottentotten Lambert-Fielding Co. nicht ausgestellt, und darum stapfen wir mit den Gewehren in der Hand durch den tiefen Sand des RivierS. Zwei unserer Bambusen begleiten uns. Kaum sind wir eine halbe Stunde marschiert, da taucht ein Waldstück vor uus auf, und groß ist unser Staunen, als wir es erreicht haben. Von dichtem, urwaldähnlichem Banmgestrüpp neugierigen Blicken verborgen, zieht sich an schroffer Felswand eine Wasser­fläche entlang: Ein See im Flußbett, wohl tausend Meter lang, still und unberührt, in dessen klarer Fläche sich die Dornbüsche uud hohen Felsen spiegeln. Zwei Enten flattern empor und enteilen den beutelustigen Blicken und schußbereiten Gewehren in gefahrlosere Gegenden.

Nun aber uicht länger gezögert! Der höchst seltene Genuß eines köstlichen Bades im Freien ist gar zu verlockend!

Schnell sind zwei Zeltbahnen herbeigeschafft nnd in heimatlicher Erinnerung in ein graSgefülltes Floß verwandelt. Ehre wem Ehre gebührt! Ein afrikanisches Gewässer darf keiner Nichtachtung ausgesetzt werden. Kaum schwimmt das seebeherrschende Fahrzeug uud ist bemannt, da ist es auch schon gekentert, und die Insassen strampeln in der kühlen Flut. Bald aber ist das Wrack geborgen, nnd mit großem Wohlbehagen genießen wir jetzt das er­frischende Hernmtummeln im Wasser, doppelt genußreich hier in Südwestafrika.

Sogar Fische sind da!" Diese überraschende Entdecknng entflammt von neuem den Jagdeiser der verwegenen Schwimmer. Sofort beginnt das Gefecht, und nach jedem Schuß erscheinen zwei bis drei Opfer betäubt au der Oberfläche.

Zum größten Erstannen entpuppt sich der edle Lord, ein allen jagdlichen Gesetzen abholder deutscher Hühnerhund, als hervorragender Wasserapporteur. Leider ein verfehlter Beruf in unserem sonst so schönen Südwest! Hente macht er seine Sache vortrefflich. Sonst schien er mir dazu berufen, Perl- und andere gerngeschossene Hühner rechtzeitig zu verscheucheu.

Plötzlich schallt ein heiseres, tiefes Bellen und Knurren vou der gegenüberliegenden Höhe herab. Wütend ballt dort oben ein riesiger Pavian seine Faust. Sem und seiner Zippe Trink- nnd Badeplatz ist besetzt, unerhörte Frechheit! Als Spitze hat er aufgeklärt und vermeint mit seinem Gebell die Eindringlinge zn verjagen. Weit gefehlt, im Gegenteil,