— 288 —
Kraemer und Kettker, welche linke Scitcndcckung bildeten, bis ans einen Hügel vorgedrungen, der deu zweiten Brunnen verdeckte. „Da sind die Kuhdicbc — sind eben beim Ablochen!" brachte jetzt Reiter Kraemer die Meldung, während Kettker ohne Besinnen gegen die Hottentotten vorritt. Sofort dirigierte ich alle Leute ans daS Lager, und es gelang uns, drei gefangen zu nehmen. Sie behaupteten, im Auftrage eiueS Farmers auf Bielisnchc zu sciu. Natürlich fanden sie keinen Glauben, da sie versäumt hatten, sich vollständig ihrer Waffen und Munition zu entledigen. Später gestanden sie ein, daß flußabwärts noch ein „heeler Klump" Hottentotteu mit nur einer Stute mit Fohlen lagerten. Der Lagerplatz wurde ebenso falsch angegeben, wie dies für die anderen Angaben zutraf. Endlich, nach dreistündigem Marsch, wurden vom linken Ufer Weidetiere gemeldet. Alle Leute zog ich hierhin zusammen, und die Gefangenen wurden hinter Schußseld bietender Anhöhe in Sicherheit gebracht. Dann wurden im Galopp ebendahin die nahe dem Gebüsch weidenden Reittiere der Hottentotten abgetrieben nnd auch unsere Pferde dort zurückgelassen. Ein Bordringen zu Pferde war durch das Gestrüpp von Dornen und daS Felsgeröll unmöglich. In Schützen-, linie ging's alsdann weiter zur Suche uach dein Lager. Erst nach langer Zeit verriet ein hochgchängter Sattel, wo es lag. Es wurde sofort angegriffen, aber leider schon verlassen gesunden. Die gestohlene Knh — ja, die fanden wir auch, aber sie war leider geschlachtet und mir einzelne Teile waren zurückgelassen — die unbrauchbaren. Sofort ging's weiter zur Verfolgung. Die Spuren von mindestens 15, teils berittenen Hottentotten waren deutlich erkennbar und frisch, aber im völlig buschigen Gelände auf steiuigcm Boden blieb unser Mühen vergeblich. Mit drei Gefangenen und acht Reittieren nebst Sattelzeug traten wir den Rückmarsch an und kehrten nach weiterem 14 stündigen Ritt zur Station zurück. Der Reiter Kettker hatte dabei während 28 Stuudcn — 2 Nachtstuudcn abgerechnet — ununterbrochen im Sattel gesessen. Trotzdem wurden ähnlich anstrengende Patrouillen lieber geritten, als zu Hause der leichte Dienst verrichtet.
Wenderhold,
ehem. Oberveterinär der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestasrika.
»
Zwei Wochen aus dem Tagebuche eines Gefreiten bei der Kolonne.
Gefangenentransport.
Am 29. Januar 1905 erreichten wir Otjimbinde, woselbst wir unseren Proviant abluden. Hier lag die 9. und 11. Kompagnie vom 1. Regiment. Nachmittags platzte ein Regen los, der während des ganzen Marsches anhielt. Zu allem Überfluß haben wir auch noch zwölf Thphusrckonvaleszenten zum Rücktransport erhalten, außerdem zirka 150 Gefangene, welche vor Hunger und Ermattung fast uicht mehr können, zum Abtransport nach Okahandja. Hier zeigte sich wieder der durchweg gutmütige Zug der deutschen Soldaten, die den armen Teufeln alles Entbehrliche gaben — mit ihnen teilten. Unsere Kochgruppe hat sich einen Bambusen „engagiert", der für uns in der rührendsten Weise sorgte. Trotz des ununterbrochen strömende» Regens ist er morgens unermüdlich dabei, Feuer zu inachen. — In der Nacht überholte uns eine Patrouille der 9. Kompagnie, welche auf das Gerücht hin, Zacharias, der gefangene Hererokapitän, wolle umkehren, abgeschickt ist. Auch vou Otjosondu ist eine Patrouille hinterher. Ein sprechender Beweis unser mangelndes Vertrauen zu den Hcreros. Trotzdem ist es allemal eine Pein für uns, hoch zu Roß, mit dem Schambock (Peitsche) in der Hand, diese halbverhungerten Geschöpfe nachtreiben zu müssen. Hunger und abermals Hunger! Bedauert haben wir die Kinder, die für alles nichts können. Nur den stolzen „Großmännern" war keine Not anzusehen. Der eine war mit einem sehr guten schwarzen Gescllschaftsrock