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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Ein alter Afrikaner.

Am 28, Januar 1904 trat unsere Kompagnie die 2. Feldkompagnie unter Haupt­mann Franke vvnOkahandja aus, nachdem sie am Tage zuvor diesen von Hereros be­lagerten und eingeschlossenen Ort befreit hatte, den Anmarsch nach den Hcrcrowcrften bei Onjati an, nm die dort stehenden Hcreros anzugreifen. Nach kaum einer Stunde Marsch erhielt die Kompagnie von den rechts über dem Swakvpflnß liegenden Höhenziigen Plötzlich heftiges Feuer. Ich ritt mit dem Feldwebel Schneidenbcrger an der Queue der Kolonne. Fast ohne Koni mando bog die Kompagnie vom Wege nach links in die Büsche aus, saß ab und ging zn Fuß gegen die Höhen vor, wo unsere rechte Seitcnpatronille unter Leutnant Freihcrrn von Wöll- warth-Lauterburg schon ins Gefecht verwickelt war. Im Sturmschritt wurden die ersten Hange genommen und bis an dcu letzten Höhenzug au der linken Seite des Swakops vor­gedrungen. Hier mußte ein längerer Halt gemacht werden, weil die Herervs nns mit Feuer aus ihren Verschanzungcn förmlich überschütteten und wir zn dem ungeschützten Überschreiten des FlnsseS alle Kräfte sammeln mußten. Unser Zugführer Oberleutnant d. L. von Nathnsius war vom Kompagnieführer mit der Heranführung des Gcbirgsgeschützes beauftragt. Während wir aus der Deckung das Fener auf die Höhen unterhielten, spürte ich plötzlich einen Schlag gegen die rechte Schulter, als ob ein Steinwurf mich getroffen hätte. Ich sagte das anch zu meinen Nebenleuten, worauf der Laudwehrmann Senne, der etwas rechts hinter mir lag, rief:Ja, ein schöner Steinwnrf, hinten blutest du schon." Ich kroch aus der Schützenlinie in bessere Deckung und merkte nun, daß ich verwundet war. Schmerzen fühlte ich nicht, nnr

konnte ich den rechten Arm nicht mehr gebrauchen. In diesem Augenblick kam das Kommando, die Kompagnie solle eine Ver­schiebung der Angriffslinie vornehmen. Die Züge lagen, dem bergigen Terrain entsprechend, weit auseinander, und da unser Zugführer noch abwesend war, blieb ich in der Front, behielt das Kommando und brachte unsern Zng, der nnr aus ein­gezogenen Landwehr- und Landstnrmleuteu bestand, in die befohlene Stellung. Nach etwa einer halben Stunde wurde ich vom Stabsarzt Dr. Hummel dicht hinter der Schützen­linie verbunden. Die Kugel war von vorn links in meinen rechten Oberarm eingedrungen, während ich im Anschlag lag, und oberhalb der Schulter wieder herausgetreten; der Schuß­kanal zeigte deshalb bei richtiger Armstellung eine gebogene Form. Nachdem ich verbunden war, wurde ich trotz meines Protcstierens zur Sanitätskarre zurückgeschickt. Als gegen Mittag nach Abbrechen des Gefechts die völlig ermattete Kom­pagnie wieder im Lager eintraf, ritt ich mit noch einem Unter­offizier nach Okahandjci zurück, um anzusagen, daß Essen bereitgehaltcn würde, da in zwei Stunden die Kompagnie zurückgehen sollte. Am nächsten Tage kam ich mit der Bahn nach Windhuk in Lazarettbehandlung^).

Karl Heidenreich,

Feldwebel Klirl Heidcu.eich. ehem. Feldwebel der Kaisers. Schutztruppe f. D.-Südwestafnka.

') Feldwebel Hcidcnrcich erhielt das Militärchrcnzcichcn I. Älasse und dc>S Vcrdienstkrcnz 2. Klasse mit Schwertern vom großhcrzogl. brannschweig. Orden Heinrichs des Löwen. Tas Militärchrcnzeichcn 2. Klasse hatte ihm schon der Witbooifeldzng 189-t eingetragen. (D. H.)