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„Zähne zusammen."
Angenehm war es nun gerade nicht, als ich an? 12. Mai 1905 im Gefecht bei Hosasis am Gaob, verwundet durch einen Schuß durch das rechte Schienbein, 200 Meter vor dem Feinde lag. Rechts, links nnd vor uns — der Ersatzkompagnie 1a, uuter Herrn Hauptmann Buchholz — steile Felswände, deren oberer Rand durch eine etwa 150 Gewehre starke Herero- baudc nnter dem Kapitän Andreas geziert war, das ausgetrocknete Flußbett des Gaob und die liebe Sonne, die es an diesem Tage besonders gut meinte, schufen ein Stimmungsbild, das wenig geeignet war, mich in meiner durchaus nicht beueidenswcrteu Lage zu ermutigeu.
Das Blnt im Stiefel war schon längst zu einer festen Masse geronnen. — „Und noch nicht verbunden worden?" So wird mancher Leser, der die afrikanischen Gefechte nicht kennt, fragen. Nun, vom Sanitätspersonal arbeitete jeder sür zehn, und ich benutze diese Gelegenheit, den Mut, die Pflichttreue und die Kameradschaft unseres Sanitätspersonals zu beleuchten.
Seit 9,30 Uhr vormittags lag ich in meiner Stellung ans mich selbst angewiesen, und da man sich doch nicht allzuschnell für verloren hält, habe ich mich meiner Hant gewehrt, d. h> ich schoß wie alle anderen, wenn auch nur mit dem Bewußtsein, daß ich auf keine Hilfe rechnen konnte. Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, wurde es aber derart ungemütlich, daß ich mich entschloß, auf gut Glück nach rückwärts zum Arzt zu gelangen. — Uuter solch schwierigen Verhältnissen werde ich wohl mein Lebtag nicht mehr aus einem Beine springen.
Aber es gelang über Erwarten bis zur Hülste des Weges, trotz der mir noch zugedachten Kugeln. „Endlich Deckung!" Ich hatte die noch am weitesten vorn am jenseitigen Ufer liegenden sechs Mann unter Feldwebel Olbiuski erreicht. Durch diese mußte wohl die Nachricht, daß ich verwundet sei, zu dem Sanitätssergeanlen Schaar gekommen sein. Der einschlagenden Kugeln nicht achtend^ drang er bis zu mir, vor Erschöpfung keuchend und in Schweiß gebadet. Ihm folgte der Gefreite Kreuzer, der mir Gewehr und Patronengurt abnahm.
Nun zum Arzt! Teils nahm mich mein Kamerad Schaar auf deu Rücken, teils versuchte ich wieder selbst einige Meter zu springen, natürlich nur auf dem linken Beine; denn das rechte war in der langen Zeit in den Znstand gekommen, in welchem die leiseste Bewegung Schmerzen verursachte, aber — Zähne zusammen — und endlich lag ich neben meinen Lcidensgenosseu.
Herr Oberarzt Dr. Breustedt hatte das Kommando über die sich noch im Flußbett — Rivier — befindenden Mannschaften, während der Rest der Kompagnie auf die Plateaus zu gelangen suchte. Der Verbandplatz war größtenteils dem Feuer des Gegners ausgesetzt; aber kaltblütig verrichtete der Arzt sein schweres Amt. Ich entsinne mich noch, daß der Gefreite Klein neben uns im Anschlag kniete.
Mir schnitt der Gefreite Baganowski mit seinem Taschenmesser den Stiefel (Reitstiefel) ab, und — nebenbei erwähnt — bin ich bis in den Juli hinein im Besitz nur eiues Stiesels gewesen.
Unser Rücktransport nach der Wasserstelle, der erst drei Tage später möglich wurde, könnte ein Kapitel zcrgennt E. Kicpsch.
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