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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Wenn nur der Proviant nicht fehlte!

Bei Wittmund, 20. April 1906.

Wir warm auf der Verfolgung der Hottentotten in den Karrasbergen, östlich vom Gebirge. Am 10. April fand bei Oas ein Gefecht statt, in dem Oberleutnant von Baehr verwundet wurde; trotzdem blieb er bei der Truppe. Wir hatten die Absicht, dem Feinde in die Oasschlucht zu folgen, aber wir hatten keinen Proviant mehr. Zwei Tage mußten wir warten, bis dieser eintraf, den zweiten Abend konnten wir gar nicht ein­schlafen, so wühlte der Hunger in unsern Eingeweiden. Da war aber ein Berliner in meiner Kochgruppe, uud weil der immer dreist war, schickten wir ihn zur Batterie, da die in ihren Protzen immer etwas aufbewahre» konnte. Er ging nicht umsonst; zwei Hände voll Reis und ein Päckchen Fadennndeln brachte er triumphierend zurück. Da wurde schuell auf­gesprungen und gekocht zwei Kochgeschirre voll und das Mahl tat uns gut. Am anderen Tage kam für sechs Tage Proviant, und nun ging's wieder auf die Spur immer hinein in das Gebirge, wo noch keine deutscheu Truppeu gewesen waren. Durch Fels­schluchten und über Gestein erklommen wir die Karrasberge, und endlich hatten wir den Feind an der Westseite des Gebirges, bei der Wasserstelle Wittmund, eingeholt. Die Hottentotten zählten 150 Gewehre unter Johannes Christian. Wir waren wohl drei Kompagnien unter Hauptmann Heuck, aber doch nur 110 Gewehre in der Schützenlinie; denn es blieben immer Mannschaften bei den Wagen und als Pferdehalter.

Christian konnte nicht weg, er saß bei Wittmund fest und hatte den Rand der Schlucht besetzt; wir zogen die Höhe entlang. Das Feuergefecht war bald im vollen Gange. Zum Stürmen gegen die in Felsen gedeckten Hottentotten waren wir zu schwach, und so dauerte der Kampf erbittert fort. Da rief Oberleutnant von Baehr:Auf! Sprung vor! Mir nach!" Er

wollte mit seiner Kompagnie zum Angriff vorgehen, es dauerte ihm zu lange. Aber kaum war die 11. Kom­pagnie aufgesprungen, da fiel auch schon der tapfere Offizier diesmal, um nicht mehr aufzustehen. Auch ein Unteroffizier, Michalek, und Leutnant Schlüter von meiner Kompagnie lagen verwundet auf dem Kampfplatze, außerdem der Sanitäts­unteroffizier Graf und noch fünf Reiter: Franke, Gnamm, Hoffmann, Jaftrzemski, Schlegel.

Noch lange dauerte der Feuerkampf, dann endlich entflohen die Hottentotten. Wir konnten noch einige der Kerle zu Gefangenen machen. In ihrer Stellung fanden wir furchtbare Blutspuren: die Verfolgung ging nach den Kleinen Karras­bergen. Oberleutnant von Baehr starb noch am Abend in Wasserfall. Mit unserm Proviant für sechs Tage mußten wir 14 Tage anskommen. Das kommt vor im Kriege.

Gustav Czirwon, Gefreiter der 1. Komp. 1. Batt. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Gefreiter Gustav Ezirwon.

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