Druckschrift 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
Einzelbild herunterladen
 

250

Gefreiter Joseph Huber.

Nun, ich nehme das Feuer wieder in der Schützenlinie mit auf. Daun merke ich, etwas weiter weg, eine Unruhe, und wie ich meinen Ncbenschützen frage:Was ist da los?" da antwortet der:Dn, eben haben die Hunde auch den Vize­wachtmeister Rohr angeschossen; und der Gefreite Bohne liegt auch schon!"

Das werden wir dem Stürmann heimzahlen!" sage ich; denn Stürmann war der Untcrkapitän der Hotten­totten vor uns; und da guckt gerade so ein Schwarzkopf über die Düne. Ich lag gerade im Anschlage.Du oder ich!" hieß cS da, und da hielt ich's für besser, er war's. Als nach und nach mehrere von den Kerlen dran glauben mußten, ließ ihr Fener nach, und wir gingen nun drauf. Aber dasHurra!" uud 'das aufgepflanzte Seitengewehr lieben sie nicht, und fort liefen sie, der englischen Grenze zu. Wir fanden mehrere Tote.

Am 23. Oktober hatten wir den Stürmann noch ein­mal in den Karrasbergen vor; da ließ er zehn Tote, und wir nahmen ihm 4V Pferde uud zehn Gewehre. Am 15. No­vember kam er dann und stellte sich uns in Lifdood mit 30 Männern und 50 Weibern. Das hätte er eher haben können.

Joseph Huber, ehem. Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Dettenschwang (Oberbayern).

Den werden wir auch bald haben!"

Aus den Gefechten bei Onganjira und Owiumbo am 9. und 14. April 1904.

Heute bekommen wir zum erstenmal den Pulverdampf zu riechen", so hieß es am 9. April in der Frühe bei unserem braven Hauptmann von Bagenski. Unsere Kompagnie war die 6./1. Feldregiments, bestehend aus 20 Pferden, und bildete die Spitze; sie gehörte zur Abteilung Major von Estorff, bei welcher noch die 2., 4., 6. Kompagnie, eine Kompagnie Bastards und eine Kompagnie Witboois waren. Beim Schwärmen sollten wir die linke Flanke bilden.

Um 9 Uhr waren wir den Hereros schon auf den Fersen. Unser Hauptmann und unser Oberleutnant von Kleist, mit ungefähr noch 18 Reitern, rückten im Galopp vor und kamen gleich mit ungefähr 300 Hereros ins Handgemenge. Ich war im Zug, welchen Leutnant von Frankenberg führte, und wir bekamen den Befehl zur rechten Seitendeckung, da wir noch unberitten waren. Sofort erhielten wir von einem kleinen Hügel von den Hereros Grüße entgegengesandt, die uns wie ein Schwärm Bienen um den Kopf sausten. Da kam der Zorn über uns, und der kleine Berg war bald erstürmt. Dann nahmen wir nochmal eine kleine Höhe, und die Hereros besetzten jetzt einen zirka 700 Meter hohen Berg.Den werden wir auch bald haben!" dachte ich; aber das ging diesmal nicht so schnell.

Wir lagen nämlich noch 800 Meter von dem Berge entfernt und fanden keine Deckung. Da hieß es:Auf der rechten Seite vorgehen!" Ich sprang gleich vor, und ungefähr 15 Mann folgten mir noch nach, während die anderen lebhaftes Feuer auf den