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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Bei Nittomst.

18. Januar 1904.

Am 17. Januar erfuhren wir in Grootfontein durch Buren von der Farm Uitkomst, daß ein Hererotrupp von 2S0 Mann mit 60 Gewehren im Anmarsch auf die Station sei. Die Hereros, die anfangs alle Bnren als neutral behandelte», hatten bei der Farm gelagert und ließen uns sagen, wir sollten uns bereithaltcn, sie kämen, um alle Deutschen zu erschießen. Nachts schlief wohl niemand auf der Station. Von 4 Uhr früh an hielt sich die eine Hälfte der Waffenfähigen, in kleinen Piketts verteilt, draußen; die andere lag mit der Front nach Norden auf dem großen Hofe, in Deckung hinter Ställen, Koffern nnd Kisten, um beim ersten Ansturm von jener gefcihrdetstcn Seite her, wo der dichte Busch ein Anschleichen bis an die Gebäude ermög­lichte, sofort Schnellfeuer zu eröffnen. Als es so hell wurde, daß kciu Überfall mehr zu be­fürchten war, wurde weggetreten zum Kaffeetrinken; dann teilte der Stationschef, Oberleutnant Volkmann, die 35 Gewehre, über die er verfügte, in eine Bescchuugs- und eine Feldabteilung. Um 7 Uhr morgens wurde gesattelt; IS Manu saßen auf, teils Reiter, teils Kriegsfreiwillige. Unterwegs begegneten uns die Buren von Uitkomst mit Sack und Pack und allen ihren Herden; es war ihnen trotz der Neutralität der Hereros draußen doch zu ungemütlich geworden, nachdem ihnen die Schwarzen in aller Freundschaft einige Gewehre fortgenommen hatten. Volkmann nahm noch einige Bnren mit, so daß wir jetzt 21 Gewehre zählten. Wir ritten weiter. Plötzlich, nur noch eine halbe Stunde vor Uitkomst, wird vorn etwas Helles sichtbar, das sich auf der Pad vorwärts bewegt. Wir halten es im ersten Augenblick für Wagen; aber mit einemmal sehe ich vorn schon die Gewehre ans dem Schuh fliegen, und

die Spitze, bei der Volkmann und der schneidige Bur Osthuizen reiten, setzt sich in sausende Karriere; wir andern nach. Die Hercros machten kehrt, aber in wenigen Minuten waren sie ein­geholt und gestellt. Der ganze Trupp war tat­sächlich im Anmarsch gegen Grootfontein und eben ans dem Busch von Uitkomst auf die freie Grassavannc herausgekommen, die sich von dort bis Grootfontein ausdehnt. Es gelang ihnen noch, Deckung im Bnsch zn gewinnen. Als die ersten Schüsse knallten, waren auch wir vou den Pferden. Die Entfernung betrug noch etwa 100 Meter; aber da beide Teile so in Deckung gegen Sicht waren, daß man sich schwer erblicken konnte, so wäre bei der Schießerei jedenfalls nicht viel herausgekommen. Volkmann erkannte im Augenblick die Situation und ließ im Feuer wieder aufsitzen; dann jagte er auf seinem großen Hengst in mächtigen Sätzen zur zweiten Attacke voran, in den Feind hinein. Wieder wurde ab­gesessen und nun das Feuer auf die in Verwirrung geratenden, aber noch heftig schießenden Hercros auf ganz nahe Entfernung eröffnet. Wir schössen uns im Busch miteinander herum; über den Gang des Gefechts konnte aber der einzelne keinen

Kriegsfreiwilliaer vr. Paul Rohrbach.