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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Die Wetzen aber gut!"O ja, es geht so einigermaßen!"

Ja, hätten wir nur von vornherein mit einigermaßen entsprechenden Kräften auf­treten können und hätten Bahnen rechtzeitig gebaut, wie das die Engländer tun, danu hätte der Krieg gar nicht solche Ausdehnung angenommen, hätte nicht so viel deutsches Blut ge­kostet und nicht so viel deutsches Geld verschluckt!" Das ist die Erwägung, der man bei jedem deutschen Afrikaner begegnet, und wie schon im Kampfe gegen die kriegerisch geschulten BondelzwartS der Löwenmut der deutschen Schutztruppe der Überzahl des Feindes kein Äquivalent bieten konnte, das läßt sich aus der anschaulichen, fast bescheidenen Schilderung erkennen, die uns in die klippenreichen Felsenufer des breiten, flachen Oranjeflusses führt:

Es war am 11. Dezember 1903, als wir nach tagelangem, mühevollem und an­strengendem Suchen nachmittags 2 Uhr die sich gut versteckt haltende Werft der Bondel­zwartS festgestellt hatten. Unser Herr Oberleutnant schickte eine Meldung durch einen Witbooi- hotteutotten nach Sandfontein. Groß war unsere Freude, daß wir solch Glück hatten und mal nach Herzenslust knallen konnten. Gegen 4 Uhr rückten wir dann so langsam ab, ostwärts, den Oranje aufwärts. Um 7 Uhr wurde gerastet, und Herr Oberleutnant Böttlin befahl, nur etwas kalten Grog zu machen, und kalt zu essen. Mit Mondaufgang, um 1 Uhr nachts, sollte der Vormarsch nach der Werft, welche auf vier bis sechs Kilometer Entfernung vor uns lag, erfolgen. Kurz nach 1 Uhr wurden wir von unserm Führer geweckt; nachdem wir nun eine bis anderthalb Stunde durch schweres Gelände mühsam marschiert waren, befanden wir uns dicht (etwa 600 Meter) vor der Werft. Wir entdeckten eine der Werft vorlagernde Klippbank, hinter diese gingen wir in Deckung. Unser Führer teilte die Patrouillen ein. Sanitäts­unteroffizier Rolle^) bekam die rechte Gruppe, Oberleutnant Böttliu uahm die mittlere, uud ich bekam die linke Gruppe. Um 4,1.5 Uhr morgens fiel von unserer Seite der erste Schuß in die schlafende Werft; wir jagten zehn Pa­tronen in dieselbe, dann stürmten wir. Links von mir wurde ein Witbovikaffer schwer ver- wuudet (Schuß durch die liuke Schulter). Zwischen 5 und 6,30 Uhr war die Werft unser, wir fandeil fünf Tote, außerdem hatten wir eiuen Gefangenen. Beim Durchsuchen der Pontoks fanden wir Sättel, Mäntel, Uuisormstücke, Grammophone, Bleikugeln und andere Dinge. Ich trieb sofort mit einigen ^uten das Vieh zusammen, in der Absicht, gleich die Werft zu verlassen, uud die freie Fläche zu gewinnen. Die Werft lag nämlich zwischen drei hohen Felsen. Gegen 7,30 Uhr begab ich mich zum Herrn Oberleutnant nnd meldete ihm, daß ich mit dem Vieh abrücken wollte. Während wir noch so standen, fiel Plötzlich halbrechts rück­wärts ein Schliß; das Geschoß schlug dicht bei uns eiu. Dann noch einer und noch

einer. Auf die Frage des Herrn Oberleutnants: Sergeant Gustav ünittel.

') Vgl. Beitrag des Herrn Hanptmanns Böttlin, S. S1. (D.H.)