Druckschrift 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
Einzelbild herunterladen
 

Feinde sich herangezogen und die Abteilung eingeschlossen. Leutnant Brüggemann schickte einen Unteroffizier mit drei Mann als AufklärungSPatrouille nach dem Nivier. Aber es war nicht möglich, durchzukommen, weil sie stets beschossen wurdcu. Um eine Umgehung, die nnS dcu Rückzug auf Gochas abschuitt, zu verhindern, mußte daS Nivier erreicht werden. Ich wurde bestimmt, mit demselben Unteroffizier mitzureiten; er meldete aber, sein Pferd wäre schlapp uud konnte nicht mehr. Ich erbot mich deshalb, allein zu reiten, und Leutnant Brüggemann gewährte es mir. Ich galoppierte, von den feindlichen Ge­schossen oft umpfiffeu, etwa zwei Kilometer am Nivier entlang und konnte feststellen, das; das Nivier frei war. Nach stündigcm Gefecht mußten wir nnS zurückziehen, weil Mangel an Munition eintrat, und wurden bis Gochas verfolgt. Auf dem Rückwege wurde mein Pferd vou eiuer Kugel getroffen, und ich wäre den Hottentotten znm Opfer gefallen, wenn nicht ein Kamerad namens Jndenhock den Mut gehabt hätte, mich hier rauszuholeu. Ich klammerte mich an seinen Steigbügel und bin so drei Kilometer neben dem Pferde mitgaloppiert. Hier habe ich als Christ erkannt, daß nnr Gott über die Schicksale des Menschen bestimmt. Für das kühne Unternehmen hat mir der Leutnant Brüggemann seine Anerkennung aus­gesprochen und wollte dafür Sorge tragen, daß es mir belohnt wird.

Schwiedersky,

Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrikci, z. Zt. Hasunr. -i-

Unter Major von Freyholo.

Es tönt' ein Nuf:Nach Afrika! Freiwillige vor! Gefahr ist da!" Da schwoll manch Herz in Kampfesmut, Auch ich griff schnell zum Tropenhut!

Aus den interessanten Aufzeichnungen des Gefreiten Franz Szameitat kann, des Raumes wegen, nnr eine Episode geboten werden.

Ich kam zur 12. Kompagnie, Abteilung Major von Freyhold. Am L.Juni 1906 trafen wir in Gaobis ein, und schon am Z.Juni brachen wir auf, um die Verfolgung der Spuren von Hottentotten amznnchmen, die uns durch Patrouillen im Haibrivier ge­meldet wurden. Am 4. Juni, abends 9 Uhr, trafen wir bei Sperlingspütz ans den Feind, der nach vierstündigem Gefecht in wilder Flncht sich über den Oranjeflnß in englisches Gebiet rettete.

Nach weiterem Absuchen der Oranjebergc waren wir gezwungen, auf die Station Ühabis zu machen, weil unsere Reittiere durchweg schlapp und für einige Zeit nicht mehr brauchbar waren. Am 22. Juli brach unsere Abteilung abends znr neuen Operation in die Orcinjeberge auf. Zu zwei Maschiueugcwchren uud einem Gebirgsgeschütz waren nur fähige Packtiere vorhanden, die Mannschaften mußten ihr Gepäck auf deu Rücken schnallen, und nun ging es:Üb' immer Treu und Redlichkeit!" Von 12 bis 2 Uhr nachts haben wir Rast ge­macht, den 23. Juli 1906, 6 Uhr morgens, erreichten wir die Oranjeberge; nun ging das Kraxeln in den Bergen los. Mittags sprach ich noch zn meinem Feldwebel:Himmel, sollen wir die Hottentottenbande heute wieder nicht erwischeu?"

Na, warte nnr, noch ist nicht Abend!" antwortete er. Kaum waren wir eine halbe Stunde marschiert, da wnrde die Spitze von den schwarzen Lnmpcn mit eiserner Mundportion empfangen. Nun ging's ins Gefecht, wo wir von 12,S0 Uhr bis zur Dunkelheit im Feuer lagen. Wie's nun den Schwarzen in der Dunkelheit doch zu heiß wurde, nahmen sie die