22 Zweiter Abschnitt. Land- und Forstwirtschaft.
führte trotz der Üppigkeit des Bodens zu keinem befriedigenden Erfolg. Außerdem wollte man vielfach lohnendere Erzeugnisse, Kautschuk, Sisalhanf, Baumwolle, Kakao und Kaffee gewinnen. Man wußte auch um die Erfahrungen älterer Kolonialvölker. Aber die klimatischen Erscheinungen, die Bodenverhältnisse, die Arbeitskräfte und Wirtschaftsformen waren in unseren Schutzgebieten doch ausgesprochen eigenartig'. Voraussichtlich mußten auch andere Pflanzenkrankheiten und neue tierische Feinde bekämpft werden. Deshalb waren unsere Landwirte unter allen Umständen gezwungen, eigene Erfahrungen zu sammeln. Hierzu erwiesen sich die Kräfte des einzelnen als viel zu schwach. Der Allgemeinheit wären obendrein die gewonnenen Ergebnisse nur schwer zugänglich gewesen. Daher schritt man zur Gründung gemeinsamer Einrichtungen, zunächst von staatlicher Seite aus, aber auch in gesellschaftlichen Verbänden.
1. Die wirtschaftlich-wissenschaftlichen Einrichtungen.
Von staatlicher Seite aus befaßte man sich nach dem Vorbilde Englands, Frankreichs und Hollands vor allem mit der Gründung von Versuchsanstalten. Zuerst (1891) entstand unter Leitung von Dr. Preuß der Botanische Garten in Viktoria. Seine ungewöhnlich günstige Lage am Meer, in hügeligem Gelände, an einem rasch dahineilenden Fluß und auf dem ergiebigen vulkanischen Verwitterungsboden des Kamerunberges ermöglichte es ihm, auf den Anbau von Kakao und auf die Kautschukgewinnung einen so erheblichen Einfluß auszuüben, daß die jetzige Bezeichnung „Versuchsanstalt für Landeskultur" vollauf gerechtfertigt ist. Viktoria stellte den Pflanzern erstklassiges Saatgut zur Verfügung und zeigte gleichzeitig an umfangreichen Versuchsanlagen, wie sich eine lohnende Anpflanzung am zweckmäßigsten bewerkstelligen lasse. Dr. Preuß führte hierbei den Grundsatz durch, den Anbau jederzeit so zu betreiben, daß eine Verkaufs- und verschiffungswerte Warenmenge auf den Markt gebracht werden könne. (Die Kakaoernte des Jahres 1907 betrug 16311^.) Die chemische Abteilung der Anstalt erfreute sich bei den Pflanzern durch ihre Untersuchungen (über die Gärung des Kakaos und über Likörbereitung aus Bananen) einer solchen Anerkennung, daß die Errichtung eines eigenen Laboratoriums dringend verlangt wurde. Für Gewächse, die nur in großer Meereshöhe gedeihen (Tee, Chinarinde), schuf Preuß eine Zweigstelle in Buea (985 in). Nach Fertigstellung der im Bau begriffenen Bahnlinie dürfte es sich empfehlen, die ganze Anstalt aus Rücksicht