XXXLI. KAPITEL
Land und Leute in Latüka.*)
Von Dr. Emin Pascha.
Unter nahezu 4 0 n. Br. liegt am Abfalle der von Osten herüberstreifenden Bergterrasse ein Land, das, eigenartig sowohl durch seine Bewohner als durch seine Thierwelt, dem Forscher mancherlei interessante Anknüpfungspunkte bietet. In verschiedener Richtung von Bergketten durchzogen und überall mit einer Menge von Hügeln besetzt, die mit Dörfern gekrönt, gleich Warten über das Land verstreut liegen, bietet das Gebiet in seinem geologischen Aufbau nur ein Glied in der einförmigen Schichtung, die ganz N.-O.-Afrika charakterisirt. Es mag wohl durch den Einfluss klimatischer Verhältnisse zu erklären sein, der die Berge zu zackigen Gestalten und die Thäler zu breiten Mulden gemacht hat; jedenfalls ist Latüka pittoresker als die umliegenden Gebiete, das östliche Shüli- land vielleicht ausgenommen. Der Boden ist nahezu überall ein sandiger, aus Steinzerfall entstanden, und mit welcher Gewalt Sonnenstrahlen und Regen noch heute ihre Zerstörungsarbeit an den Bergen betreiben, sieht man am Besten, wenn man die nackten Quarzriffe, die sich über alle Wege hinziehen, betrachtet oder die Flussbetten beschaut, an deren Rändern ganze Wälle von eckigem Trümmergestein durch die dahinrollenden Fluthen aufgethürmt worden sind. Die Gesteine selbst sind meist Urgesteine, besonders auffällig sind grosse Platten von weissem Glimmer, die sowohl in der Ebene als auf den Bergrücken zu Tage liegen. Von Metallen wird nur Eisen in den an das Bari-Gebiet stossenden Bergen und an dem bei Okella vorbeifliessendem Flusse- in ziemlicher Menge und guter Qualität gefunden. Ob Edelmetalle vorkommen, ist bis jetzt zweifelhaft, doch darf man ihre Existenz vermuthen. Als besonders erwähnenswerth sind hier die heissen Quellen am Berge Sserretten zu nennen: es sind warme Schwefelthermen, von den Eingeborenen, die daselbst Gruben ausgehoben haben, gegen mancherlei Krankheiten, besonders häufig gegen Ausschlag, angewendet.
*) Es mag hier der Platz sein, eine mir diktirte Arbeit Emins über Latüka einzuschalten, da aller Wahrscheinlichkeit nach die Mässai-artigen Völker aus der Gegend von Latüka in ihre heutigen Sitze eingewandert sind.