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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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XXX. KAPITEL.

Der Nyansa.

Der grösste der innerafrikanischen Seen (ca. 68000 qkm), heisst bei den Eingeborenen durchweg Nyansa, ein Wort, das sich bei allen östlichen Bantu- völkern für Wasser, besonders stehende Gewässer wiederfindet. Zur Unter­scheidung von den andern grossen Seen nennen die Küstenleute diesen bisweilen Nyansa ya Uganda oder Nyansa ya Ussuküma. Die Worte Ukerewe oder Nyansa ya Ukära sind ungebräuchlich. Sie stammen aus der Zeit her, wo sich die Haupthandelsstrasse von der Küste nach dem Südosten des Sees erstreckte. Von Speke im August 1858 entdeckt, wurde dies Binnenmeer seitdem von zahl­reichen Reisenden besucht. Der einzige jedoch, der eine kartographische Auf­nahme von ihm machte, war Stanley. :;: ) Ungefähr 1195 Meter über dem Meere gelegen, bildet der Nyansa ein riesiges, nach Norden abgerundetes, nach Süden in zwei Zipfel auslaufendes Becken, das beinahe die Grösse des Königreichs Bayern einnimmt. Wenn man an seinen Ufern steht, so hat man den Eindruck, sich am Meere zu befinden. Bahäri nennen ihn darum auch die Küstenleute. An seinem westlichen und südwestlichen Ufer ist der See von zahllosen Inseln durchsetzt. In seiner Mitte hat er, soviel wir wenigstens wissen, nur offenes Wasser. Seine Ufer haben wir grösstentheils geschildert, soweit sie von unserer Expedition berührt wurden. Im Westen fallen innerhalb des deutschen Gebiets die Felsen des Hochplateaus steil zum See hinab und lassen nur hier und da einen von schneeweissem Sand bedeckten Uferstreifen frei. Weiter nördlich in Uganda ist die Küste flacher und von Wald bestanden. In der südwestlichen

*) Man pflegt über Stanleys geographische Leistungen in Deutschland vielfach die Achseln zu zucken; diejenigen jedoch, die im Innern mit der Karte in der Hand gereist sind, wissen genau, dass seine Aufnahmen so ziemlich die besten sind, die überhaupt von diesen Gegenden existiren. Wenn bei einem flüchtigen Marschiren oder Rudern von Ort zu Ort hier und da Details übersehen wurden, so ist das nicht zu verwundern. Detaillirte Aufnahmen hat Stanley nie gemacht, in grossen Zügen aber und für afrikanische Reiseverhältnisse sind seine Darstellungen recht gut, so weit es sich nicht um hypothetische Ergänzungen der Karten handelt. Als wenig zuverlässig freilich müssen seine Höhenberechnungen and Ortsbestimmungen gelten. Was er aber gesehen hat, hat er gut wieder­gegeben. Auch der Pascha war stets voll des Lobes für die Stanley'schen Karten.