Print 
Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

XXVIII. KAPITEL.

Zweiter Marsch um das Süd-West-Ende des Nyansa.

Am 20. Februar morgens erstiegen wir das Plateau von neuem und marschirten dem Süden zu, nachdem wir noch einen letzten Blick auf die lieb­liche Bucht von Buköba mit ihren neuen Bauten geworfen hatten. Wir lagerten bei Kanssenene, dicht bei demselben Orte, wo ich am 14. November 1890 kampirt hatte. Glücklicherweise brachten hier die Eingeborenen wenigstens etwas zum Verkauf. Am folgenden Tage Hessen wir links in der Tiefe die weite Bucht, die von der kleinen Insel Kischäka theilweise abgeschlossen wird, sowie die etwas kleinere Bucht von Kashokero hinter uns liegen. Hier ist die Grenze zwischen den Gebieten Mukotänis und Kahfgis. Eine kleine, kreisförmige Ein­buchtung, beiderseits von hohen Felsen flankirt und mit zwei grossen Bananen­dörfern (Buigära und Rukewera) geschmückt, springt fernerhin in das Land ein. Von dem erhöhten Standpunkte aus bietet sich hier ein prächtiger Blick auf die steile Küste des Sees. Coulissenartig schieben sich die Klippen hinter einander. In den Schluchten des Plateauabfalls steht dichter Wald; wo am Fusse ein kleines Vorland sich gebildet hat, haben die Eingeborenen üppige Bananenpflanzungen angelegt. Deutlich erkennt man an einer Reihe von Strandlinien, dass sich in letzter Zeit der Wasserspiegel des Sees bedeutend gesenkt hat. Unten am Ufer verliert man diese Uebersicht; aus der Höhe aber liessen sich fünf solcher Rückzugslinien ganz deutlich unterscheiden.

Am Fusse des Plateaus reiht sich ein grosser Bananenwald an den andern. Ich habe selten ein Land von solcher Fruchtbarkeit gesehen, wie das von Kahigi. Im Thal und auf den Höhen ist das ganze Jahr hindurch das nöthige Wasser vorhanden, so dass der Ackerbau überall gute Erfolge verspricht. Dabei ist das Land durchweg 12001400 m über dem Meere gelegen und hat eine kühle Temperatur. Holz giebt es allerdings nicht gerade reichlich, desto mehr aber vorzügliches Weideland.

Kurz nach unserer Ankunft im Dorfe Bussömba kam Kahigi selbst mit seinem Gefolge. Er ist ein schlanker Mann mit etwas vorstehenden Lippen, kleinem Kinnbart und ziemlich gerader Nase. Er und seine Anhänger gehören