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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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XXIV. KAPITEL.

Rückmarsch bis Bilippi.

21. Oktober. Wie schon im Kapitel XXI erwähnt wurde, hatten sich unsere Leute während

des Aufenthalts bei Kiro so weit erholt, dass wir am 21. October 1891 von dort abmarschiren konnten. Die uns von dem Häuptling versprochenen Leute liessen, da trübes und feuchtes Wetter herrschte, bis gegen 9 Uhr auf sich warten. Als sie zur Stelle waren, stiegen wir von unserem hochgelegenen Lager nach S. S. W. herab und gelangten auf eine wellige, nach Süden sich erstreckende Grasebene. Nach Westen blieb in einer Entfernung von 610 km der Wald unter uns liegen, während nach Osten das Terrain leicht zum Lendüplateau anstieg. Nach­dem wir einen starken Bach Namens Mubaki, der von Nordosten kommend in einem mit Buschwerk bestandenen Thal dem Abümbi zufliesst, überschritten hatten, lagerten wir auf verlassenen Feldern. Stellenweise tritt grauer, grober Granitfels in Mamelons zu Tage. Kiro selbst begleitete uns mit sechs Leuten und zwei seiner »Reisefrauen«, die mit neuer Blattkleidung geschmückt waren.

22. Oktober. Durch starken Regen ward folgenden Morgens der Abmarsch verzögert.

In hohem Schilfgrase marschirend, erreichten wir bald eine kleine Terrainwelle, auf der einzelne verlassene Wassongöra*)-Hütten standen. Ein steiler Abstieg führte uns zu dem in einem Waldrande mit Baumfarnen fliessenden Bach Ssän. Das Wasser war nur 17,7° C. warm. Nach dem Abstieg auf der anderen Seite des Gewässers marschirten wir eine kurze Strecke im Grase und lagerten am West- fusse eines Kegelberges bei einigen Lendühütten Pangödjo. :i::i: ) In diesen Gegenden wohnen Lendü und Wassongöra durcheinander.

Eingeborene, die uns Nahrung hätten verkaufen können, waren nirgendwo zu finden. So mussten wir unsere Träger unter der Führung von Kiro aus­senden, um sich Vorräthe zu verschaffen, wo und wie sie sie fanden. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Träger aus dem Hinterhalt mit einem Pfeil durch die

*) Ich gebrauche der Kürze halber die Manyema-Sansibar-Bezeichnung »Wassongöra«; die Leute gehören wahrscheinlich den Wambüba-Völkern an, von Kiro wurden sie »Ndjäli« genannt.

**) Westlich von hier sollen die Wangwäli, ein Wassongöra- resp. Ndjäli-Stamm, wohnen. Auf dem Wege zu ihnen hin die Bogenamöla.