Druckschrift 
Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
Entstehung
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XXI. KAPITEL.

Vorstoss nach Norden und Rückkehr bis zu Kiro.

ig. September. Morgens früh waren zwar Führer vorhanden, aber kein Mann zum

Tragen unserer Lasten zu bewegen, von denen einige wegen der Erkrankung mehrerer Leute nicht fortgeschafft werden konnten. Viele Eingeborene standen umher, und der Häuptling redete eifrig auf sie ein, sie behaupteten aber, wir seien ohne Hilfe zu ihnen gekommen, nun sollten wir auch unsere Lasten allein wieder weiter bringen. Erst um acht Uhr waren durch friedliches Verhandeln fünf Mann gewonnen worden.

Gleich von Ssönga aus ging es nun den steilen Plateau-Abhang hinab und dann über welliges, nach Westen abfallendes Terrain an diesem entlang. Drei kleine nach Westen fiiessende Bäche mit waldigem Uferrand wurden überschritten. Der Boden war durchweg mit hohem Schilfgras bedeckt, in dem mehrere, mit Adlerfarnen bestandene Lichtungen sich befanden. Nachdem wir einen breiten, von zwei kleinen Quellflüssen des Abümbi durchschnittenen Waldrand passirt hatten, gelangten wir nach kurzem Abstieg an den kleinen Ort Bahbo. Das ganze wellige Terrain ist hier von bewaldeten kleinen Thälern durchzogen. Es ist das Quellengebiet des Abümbi. Weiter nördlich umgreift ein westlicher Aus­läufer des Lendüplateaus dieses Quellgebiet und setzt sich unmittelbar in dem Höhenzug fort, der die sekundäre Wasserscheide zwischen Itüri und Abümbi bildet.

Die Leute Kiros hatten unterwegs bis auf zwei ihre Lasten fortgeworfen, so dass diese von den Soldaten der Nachhut und den Wanyampära getragen werden mussten. Auch unsere Führer weigerten sich, weiter mit uns zu gehen, da sie angeblich den Weg nicht mehr wussten. Glücklicherweise fanden sich einige Eingeborene, die den Waldvölkern angehörten und von den Leuten Kiros als Wandjäli bezeichnet wurden. Es schienen Lendü zu sein. Alle trugen Kürass, Bogen und Pfeile, einige auch Lanzen, und waren mit der für die Wald­bewohner charakteristischen Halsgabel (Abb. 138) geschmückt. Auch ihr Häuptling stellte sich ein. Er bestätigte, dass seine Leute echte Lendü wären, die nur viele Sitten der Waldvölker angenommen hätten. Als Unterscheidungszeichen gab