Druckschrift 
Auf der Savanne : Tagebuch einer Kamerunreise ; mit 16 Bildtafeln und Abbildungen im Text nach eigenen Zeichnungen und Photographien und einer Übersichtsskizze des Reisegebietes / von Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

Njoja, gegen Abend besuchte der Häuptling mich; und die Stunde der Unterhaltung mit diesem wirklich klugen und vornehmen Menschen war wieder ein echter Genuß. Jetzt haben wir auch die Bestätigung aus seinem eigenen Mund, daß seine Vorsahren mit nur wenigen Leuten von der Tikar- Stadt Bamkin hierher eingewandert sind, sich zu Herren der hier Heimischen gemacht haben, nach zwei Generationen deren Sprache und Häuserbau annahmen; Baumwollbau und Weberei jedoch und die Kunst des Bronzegusses haben sie aus Tikar mitgebracht und hier zu immer höherer Voll­kommenheit gesteigert. Also auch hier im schwärzesten Afrika die Tatsache, daß die Vermischung zweier gut ent­wickelter Kulturen zur höchsten Vollendung, zur schönsten Blüte führt.

Bamengang, den 26. Dezember Bamum liegt hinter uns mit seiner Farbenpracht, seinen immer neuen Eindrücken. Ich werde den letzten Tag nie vergessen, als Njoja uns durch seine Weberei führte, wo in weiter, offener Halle zwei lange Reihen von wohl fünfzig der primitiven kleinen Webe-Apparate stehen, in denen die Fäden zwischen ein paar Stäben gespannt sind und durch einen anderen Stab auf und ab geschoben werden, so daß sie sich kreuzen. Vornüber gebeugt sitzen die Weber über ihrem Werk, rücken die Hölzchen und schieben langsam und vorsichtig ihre Spindeln hin und her, damit sich aus bunten und weißen Fäden Muster bilden, die Njoja alle selbst entworfen hat. Sieben Monate lernt jeder Weber beim Häuptling, der den Webstuhl und die bei den Bamum vergessene Webetechnik fast neu wieder erfunden hat. Was der Schüler in dieser Zeit schafft, gehört Njoja. Dann geht er in sein Dorf zurück und arbeitet für seine eigene Rech-