Wir entdecken Zwerge
Im Dorfe der Pygmäen, den 10. Dezember I?IZ.
Also auch diese Reste einer früheren Menschheit gibt es hier noch. Nicht nur in den riesigen Urwäldern Süd- Kameruns haben sie sich verborgen gehalten, sondern auch in den fast unzugänglichen Gipfelwäldern dieses Gebirges. Schon gestern war uns im Balomdorf Djinga erzählt worden, daß die besten Führer für unsere letzte Bergtour auf den mächtigen Jandjom, die „kurzen Leute" sein würden, die früher oben auf dem Gipfel gewohnt hätten, jetzt aber, als Untertanen des Njansa-Häuptlings, am Fuße des Gebirges in einem Farmdorf lebten. Wir waren natürlich sehr gespannt, und unsere erste Frage nach der Ankunft galt den „kurzen Leuten". Wir hatten uns auf einen scheußlichen Anblick gefaßt gemacht, von dickköpfigen, mißgestalteten Wesen, und waren angenehm überrascht, in diesen Pygmäen wohl sehr kleine, aber vollkommen proportionierte Menschen zu finden, die allerdings in keiner Weise auf die uns jetzt ganz vertraute und selbstverständliche Negerschönheit Anspruch machen können. Etwas Verbogenes, Ausgemergeltes ist in den schmalen, kleinen Körpern : der Leib steht vor, das Kreuz ist zu tief durchgebogen, Arme und Beine sind dünn und schwächlich, sie haben aber wohlgeformte Füße und Hände mit spitzen, schlanken Fingern. Der Hals ist kurz, der Kops breit und rund, und bei manchen von ihnen hat die flache Nase etwas Affenähnliches. Aber die ganze Erscheinung ist so gut proportioniert, daß man beim ersten Anblick gar nicht so sehr den Eindruck der erstaunlichen Kleinheit hat.
Fünf Männer, eine alte Großmutter, zwei Weiber und sechs Kinder sind in diesem Dorf. Ihr Headman, der älteste unter ihnen, hat mit einem der Weiber drei Kinder.