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Auf der Savanne : Tagebuch einer Kamerunreise ; mit 16 Bildtafeln und Abbildungen im Text nach eigenen Zeichnungen und Photographien und einer Übersichtsskizze des Reisegebietes / von Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
214
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Wir entdecken Zwerge

Im Dorfe der Pygmäen, den 10. Dezember I?IZ.

Also auch diese Reste einer früheren Menschheit gibt es hier noch. Nicht nur in den riesigen Urwäldern Süd- Kameruns haben sie sich verborgen gehalten, sondern auch in den fast unzugänglichen Gipfelwäldern dieses Gebirges. Schon gestern war uns im Balomdorf Djinga erzählt wor­den, daß die besten Führer für unsere letzte Bergtour auf den mächtigen Jandjom, diekurzen Leute" sein würden, die früher oben auf dem Gipfel gewohnt hätten, jetzt aber, als Untertanen des Njansa-Häuptlings, am Fuße des Ge­birges in einem Farmdorf lebten. Wir waren natürlich sehr gespannt, und unsere erste Frage nach der Ankunft galt denkurzen Leuten". Wir hatten uns auf einen scheußlichen Anblick gefaßt gemacht, von dickköpfigen, miß­gestalteten Wesen, und waren angenehm überrascht, in diesen Pygmäen wohl sehr kleine, aber vollkommen pro­portionierte Menschen zu finden, die allerdings in keiner Weise auf die uns jetzt ganz vertraute und selbstverständ­liche Negerschönheit Anspruch machen können. Etwas Ver­bogenes, Ausgemergeltes ist in den schmalen, kleinen Kör­pern : der Leib steht vor, das Kreuz ist zu tief durchgebogen, Arme und Beine sind dünn und schwächlich, sie haben aber wohlgeformte Füße und Hände mit spitzen, schlanken Fingern. Der Hals ist kurz, der Kops breit und rund, und bei manchen von ihnen hat die flache Nase etwas Affen­ähnliches. Aber die ganze Erscheinung ist so gut propor­tioniert, daß man beim ersten Anblick gar nicht so sehr den Eindruck der erstaunlichen Kleinheit hat.

Fünf Männer, eine alte Großmutter, zwei Weiber und sechs Kinder sind in diesem Dorf. Ihr Headman, der älteste unter ihnen, hat mit einem der Weiber drei Kinder.