Druckschrift 
Auf der Savanne : Tagebuch einer Kamerunreise ; mit 16 Bildtafeln und Abbildungen im Text nach eigenen Zeichnungen und Photographien und einer Übersichtsskizze des Reisegebietes / von Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

210

Wind ging durch die lichten Kronen der breit verästelten, niedrigen Bäume, die aus den Felsspalten hervorgewachsen waren. Wir saßen eine Weile und guckten nur selig und ein bißchen müde über das bewegte Bergland zu Füßen.

Dann gab es Arbeit genug, und wir wurden nur gerade fertig, als wir um 3 Uhr wieder an den Abstieg denken mußten. ^ Unten erwarteten uns zwei große Häuptlinge, der von Gion, ein Wute, und der von Goro, ein Bati-Mann, namens Ndenge. Franz kennt ihn von früher als Soldaten und Unteroffizier. Er hat sich erboten, für die nächste Zeit unser Führer zu sein und ist stolz, uns sein Land zeigen und erklären zu können.

Mefsee, den V.Dezember I?lZ.

Zu zwei Dritteln haben wir das ganze, fabelhaste Ge­birge umwandert und nähern uns dem Mbam. Vorgestern waren wir zum zweiten Male oben auf dem südlichsten scharfen Gipfel, mit fast noch schwierigerem Aufstieg über abrutschendes Erdreich, Geröll und glattes Gras, auf dem der Fuß keinen Halt fand. Meist ging es auf allen Vieren. Zum Unglück hatten wir auch noch beim Ausstieg dicken Nebel. Der Führer, der sich selbst nicht zurecht fand, schleppte mich, die voran war, zuerst auf zwei Nebengipsel, von denen ich wieder ein Stück zurück mußte, ehe es weiter aufwärts zum Hauptgipfel ging.

Oben waren wir über den Nebelwolken, die bis mittags die ganze Ebene und auch den Sockel des Gebirges bedeckten. Nur die Gipfelketten ragten darüber empor, selber noch ab und an von den ziehenden, feuchten Schleiern verhüllt, die auch uns für einige Minuten ganz einwickelten. Wir sahen von hier deutlich die durch Morgens Schilde-