202 Alte Bronzeschätze
Ditam, den 2S. November
Endlich sind wir glücklich in Ditam angekommen, nachdem wir eine volle Woche in Ngambe liegen mußten, denn als das Fieber von Franz glücklich gewichen war, packte es mich. Und dabei haben wir beide die sorgfältigste und gewissenhafteste Chininprophplaxe durchgeführt!
Aber ein Gutes hatte der verlängerte Ausenthalt dort. Wir haben wahre Schatzkammern von alter Tikar-Bronze- kunst entdeckt und gehoben: Tabakpfeifen, Armbänder, Glocken, die alle in den Häusern der alten Leute versteckt lagen und seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten, nicht ans Tageslicht gekommen sind. Am schönsten finde ich die Glocken, die, 10 bis 20 cm hoch, die edelsten Formen aufweisen, manche spitz wie Bischofsmützen, andere in der Gestalt unserer alten Kirchenglocken, alle mit den typischen Tikar-Mustern verziert, und jede von den übrigen verschieden, von einem unerschöpflichen Reichtum der Grundformen, der Zierate. Unter den 50, die wir gesehen haben, sind zweimal zwei einander ähnlich gewesen, und auch nur ähnlich, durchaus nicht gleich. Wir haben gar nicht alles kaufen können, was uns zuerst einzeln und heimlich, später mit Drängen und Bitten angebracht wurde; ein paar hundert Mark haben wir doch immerhin dort gelassen, denn die Leute verschleudern vernünftigerweise ihre schönen alten Sachen nicht, und gibt man ihnen nicht das, was sie glauben fordern zu können, so wickeln sie seelenruhig ihren Schatz wieder in den weiten Ärmel ihres Gewandes und tragen ihn in die Dunkelheit ihres Hauses zurück.
Am 26. November sind wir endlich abmarschiert, ich diesmal in der Hängematte, da ich mich durch eine von der Malaria zurückgebliebene Erkältung noch schlecht fühlte.