In Joko war's eigentlich nur eine ziemlich verkommene Gesellschaft, hier ist noch manches von der alten, ursprünglichen Kraft erhalten. Immer deutlicher sieht man, daß alle Kultur, die die Wutc
Linde, den I?. Juli I9lZ.
n Linde lerne ich die Wute-Leute schätzen.
hatten und haben, sich auf Jagd, Kampf und Krieg bezieht, und je mehr die Gelegenheit und der Anreiz dazu vermindert wird, wie im Schatten der Station Joko, desto mehr geht auch die eigene Art und Kultur zurück. Kriegsspiele gibt es in Joko schon nicht mehr; hier in Linde, bei dem Stamm der Wute, der sich am längsten und tapfersten gegen den Weißen gewehrt hat, sind sie noch die höchsten Feste.
Erwartungsvoll steht schon von Mittag an ein Teil der Bevölkerung aus dem Dorfplatz umher, von dem wir für heute unser Zelt haben fortnehmen lassen; gegen 3 Uhr beginnt die große Trommel die Männer zum Kampfspiel zu rufen. Im Palaverhaus, das erhöht über dem Dorfplatz steht, liegt die ungeheure, hölzerne Schlitztrommel, die aus einem einzigen Stück geschnitzt ist; der alte, graubärtige Trommler steht dahinter auf dem erhöhten Nundsitz, der rings um das offene, pfostengestützte Haus läuft, und schlägt mit zwei weißen Stäben aus dem weichen und doch festen Holz des Bananenstammes den jedem Wute bekannten Ruf zum Kriegs- und Waffenspiel. In Zwischenräumen von . mehreren Minuten wird das Signal wiederholt, und schon sieht man junge und alte Männer von allen Seiten her über