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Auf der Savanne : Tagebuch einer Kamerunreise ; mit 16 Bildtafeln und Abbildungen im Text nach eigenen Zeichnungen und Photographien und einer Übersichtsskizze des Reisegebietes / von Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
122
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Wieder bei der Arbeit

würdigste aber ist die Art, wie das Zauberrezept angewandt wird: auf hölzerne, blankgewachste Tafeln wird der Zauber­spruch, das Zauberzeichen aufgemalt; daraus spült man die Tusche ab und trinkt das Wasser, in dem dann der Zauber enthalten ist. So nimmt der Gläubige das Zauberwort in seinen Körper auf und ist dadurch gefeit.

Adigu hat alle Zauber selber getrunken; er glaubt fest an sein Glück und Vorwärtskommen, im Vertrauen darauf wagt und unternimmt er etwas. Er hat sich Ländereien von der Station geben lassen und baut Mais, hat sich Bananen- und Papayastecklinge erbeten und sie um feine Äcker gepflanzt, und das wird dann alles an die Station und an die faulen Neger verkauft. Ihm wünscht man Erfolg, er ist klug und fleißig und scheint ehrlicher als andere, geriebene Haussahgauner.

Woingbe, 8. Juni I?I2.

Nun sind wir beide zum ersten Male wieder unter­wegs. Endlich! Acht Wochen ist es jetzt her, seit Franz krank wurde; viel kostbare Zeit ist verloren gegangen. Und doch, wie gut, daß er überhaupt gesund geworden ist und wieder arbeiten kann. Selig waren wir, als wir loszogen, die Trägerkarawane voraus, wir zu Pferd hinterher, der Tigerhund Purzelbäume schlagend vor Vergnügen.

Wir machen einen kurzen Ausflug in die Umgebung von Joko, um über den Ostrand der Ndomme Klarheit zu bekommen, und erleben jetzt wieder, wie in früheren Arbeitsmonaten, den Abend vor dem Zelt. Die untergehende Sonne steht uns im Rücken, die Hügel vor uns, die hellen Savannen und tiefgrünen Wälder sind goldig überstrahlt von ihrem Schein; der Himmel ist zartfarbig, die Luft leicht und frisch und dennoch warm wie an einem wonnigen Sommerabend zu Haus.