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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
Entstehung
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XVI. KAPITEL.

Die Ereignisse in der Aequatorialprovinz vom Ab­marsch der Stanleyschen Expedition bis zu unserer

Ankunft*)

von Dr. Einin Pascha.

Gleich nach Stanleys Abreise beorderte SseHm Bey einen Offizier mit 30 Mann zu Madsamböni, um von da aus womöglich mit mir in Verbindung zu treten. Zur selben Zeit wurde ein anderer ssudanesischer Offizier mit 50 Mann direkt hinter mir her geschickt, um uns wo immer zum Warten zu veranlassen. Dieser marschirte über Mböga nach Kiryämo, war aber nicht im Stande, sich mit mir in Verbindung zu setzen, da er sich im Kampfe mit Kabregas Leuten verschossen, während wir den Fluss bereits überschritten hatten, und die Ein­geborenen jede Auskunft verweigerten. Der Offizier kehrte deshalb um, mar­schirte den Ssemh'ki entlang bis zum See und kehrte, dem Seeufer folgend, nach Msswä zurück. Der zu Madsamböni gesandte Offizier (Sayid Aga) blieb etwas über 2 Monate daselbst.

Während dieses Aufenthaltes brach zufällig eine den Soldaten gehörige Kuh in eine Grube, und als man diese näher untersuchte, entdeckte man die

*) Im Nachfolgenden gebe ich einen kurzen Rückblick über die Ereignisse in der Aequatorial- Provinz seit dem Abmarsch der Stanleyschen Expedition, wie er mir wörtlich von Dr. Emin Pascha in Undiissnma an Ort und Stelle in die Feder diktirt wurde. Die Nachrichten sind durch genauestes Ausfragen vieler Leute seitens des Paschas gewonnen und durchaus zuverlässig. Denn wer Anders als der Pascha, der allein die nöthigen Sprach- und Ortskenntnisse besass, wäre wohl im Stande, ein sachgemässes Urtheil zu fällen? Die Ereignisse vor Stanleys Abmarsch sind aus dessem Werk, sowie aus denen Junckers, Casatis, Jephsons und Vita Hassans bekannt. Wenn diese auch gewiss oft in ihren Aussagen nicht das Richtige trafen, so halte ich mich doch nicht für berechtigt, sie zu corrigiren, zumal ich dem Pascha nicht vorgreifen will. Oft habe ich unterwegs meinen Chef gebeten, er möge wenigstens kurz auf che Angriffe Stanleys antworten. Er sagte, »er wolle erst einmal Junckers Buch abwarten« (dasjenige Casatis kannte er auch noch nicht) »ehe er erwidere«. Hier im Innern fehlten ihm seine genauen Tagebücher: wenn er an die Küste zurückgekehrt sei, werde er diese herausgeben. Sie seien sehr ausführlich niedergeschrieben, alles sei darin bis ins Kleinste notirt, und alle Correspondenzen an Ort und Stelle eingeklebt. Diese Journale habe er in seinem Hause an der Küste gelassen. Sie sind später vom Kaiserlichen Gouvernement in Verwahrung genommen worden.