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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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XV. KAPITEL.

Im Issängo-Ssemliki-Thal und durch Mböga.

Die Einwohner bei Karevia im Lande Tenge-Tenges gehören dem Stamm der Wawämba an, sind aber stark mit anderen Völkerschaften vermischt. Nach einer bei den Eingeborenen vorhandenen Ueberlieferung soll der Urwald hier früher bis an die Berge herangereicht haben und von reinen Wawämba bewohnt gewesen sein. Später seien aus dem Süden und Südwesten Waköndjo ein­gewandert und hätten das Land so kultivirt, dass der Wald beinahe verschwunden sei. Eine fernere Einwanderung soll von Westen her durch Leute stattgefunden haben, die dem Stamme der Wahöko (Wambüba) angehörten, ein Volk, das wir später noch näher kennen lernen werden. Aus diesen Elementen sei die heutige Bevölkerung zusammengesetzt. Die Sprache ähnelt ziemlich derjenigen der Wa­köndjo und zeigt sehr viele Verwandtschaft mit dem Kinyöro. Viele Sitten und Gebräuche haben die Bewohner von den westlichen Stämmen angenommen. So kann man die Wawämba als Mischlinge von Waköndjo und Wahöko-Wambüba ansehen, wobei aber das erstere Element etwas vorzuherrschen scheint.*) An­geblich sollen sich nördlich von hier die Wawämba reiner erhalten haben.**)

Die Leute Tenge-Tenges sind von ziemlich grosser Gestalt und dunkel- chokoladebrauner Hautfarbe. Ihre bisweilen ganz anziehenden Gesichter werden dadurch entstellt, dass man in die Ober- und Unterlippe feine Löcher, besonders in der Nähe der Mundwinkel, bohrt und in diese feine Ringe aus Messingdraht oder Messingnägel einlegt (Abb. 87). Aehnliche kleine Ringe schmücken die durchbohrten Ohrläppchen. Tätowirungen sind nicht bei allen Leuten vorhanden, nur manch­mal findet man unregelmässig vertheilte kleine Schnitte auf Brust und Bauch, oder häufiger zwei bis vier jederseits senkrecht auf dem Bauch verlaufende

*) Auch westlich des Issango-Flusses findet man Stämme, die von Woköndjo direkt abstammen, die aber ethnographisch ganz die Sitten der Waldvolker angenommen haben, trotzdem sie ihre Mutter­sprache beibehielten.

**) Hier hörten wir, dass eine andere Einwanderung von Ussöngora aus nach Westen statt­gefunden haben sollte.