XIII. KAPITEL.
Am Albert-Edward-See.
Der Ort Vitshümbi liegt an der Südwestecke des Albert-Edward-Sees, etwa in o 0 4O' S. B. Ringsum erstreckt sich eine flache, baumlose Grasebene bis an den Fuss der etwa 18 km weiter westlich steil aufsteigenden Berge. Diesseits und jenseits eines etwa 500 m breiten Seearmes liegen die zahlreichen Hütten des grossen Ortes, alle in kegelförmiger Gestalt mit bis auf die Erde reichendem Grasdach. Die Bewohner, deren Zahl 1500—2000 betragen kann, gehören keiner einheitlichen Rasse an, sondern setzen sich aus den umliegenden Völkerschaften von Mpöroro, Buitwa und Uköndjo zusammen. Als Umgangssprache dient ihnen ein von Kinyöro etwas abweichender Dialekt, doch kann man sich mit Kinyöro überall verständigen. Der Chef des Ortes, Mutambüka, ist ein kräftig gebauter Mann, dessen hässliches Gesicht mit- weit abstehenden Ohren stark an einen Schimpansen erinnerte. Die Leute sind durchweg dunkel-chokoladenbraun und ziemlich hässlich; reine Wahüma sind nicht vorhanden, wohl aber sieht man hier und da Mischlinge von ihnen und den Negern. Die Männer tragen ausser einem um die Schulter geschlagenen Fell oder Stück Baumwollenzeug noch ein Hüfttuch aus Rindenstoff, das zwischen den Beinen durchgeschlagen und vorn und hinten an einem Gürtel befestigt wird. Dieser letztere besteht aus zahlreichen um die Lenden geschlungenen, sehr dünn und sauber geflochtenen Grasschnüren. Um den Oberarm trägt man einen dicken Wulst von gleichfalls dünnen Grasringen, die häufig mit Kupferdraht besponnen sind. Ebensolche sieht man um das Handgelenk und um den Unterschenkel dicht unterhalb des Knies gelegt. Den Hals schmücken Perlschhüre, meist von grossen weissen, blauen oder rothen Sorten, unter denen man häufig die früher erwähnte Man- gadjüdju und auch die Glasringe sieht, die im Mässailand einen so wichtigen Handelsartikel bilden. Die Haare sind glatt geschoren, selten in Zöpfe geflochten. Als Tätowirung findet man auf dem Oberarm und auf der Brust unregelmässig zerstreute 1—1'/ 2 cm lange Einschnitte, hier und da kann man auch die Tätowirung der Wahüma, die schon beschriebenen Halbmonde und Spiralen, beobachten. Bei den solchermassen geschmückten Individuen, die aus dem Süden oder Südosten stammen, findet man auch die eigentümliche Haarfrisur der Wahüma.