X. KAPITEL.
Die Bewohner von Uganda und ihre Geschichte.
Uganda, oder wie es in der Landessprache richtiger heisst: Bugända, *) ist unzweifelhaft durch die Ueppigkeit seines Bodens und durch die Intelligenz seiner Bewohner das interessanteste Gebiet des östlichen Zentralafrika- Nicht zum Wenigsten aber ist die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf diese Gegend gerichtet, weil sich in den letzten Jahren daselbst so manche wichtigen Ereignisse, politische Umwälzungen u. s. w. abgespielt haben, die in dem Leser den Wunsch wachrufen dürften, sich kurz über Land und Leute zu orientiren.**)
Wie ein immergrüner Kranz umrahmt Uganda den Norden und Nordwesten des grossen Nyansa. Das hinter der westlichen Hälfte des nördlichen Seerandes gelegene Hauptland ist in seinem Inneren ein welliges, theils mit Gras, theils mit dichtem Wald bestandenes Gebiet, dessen in Südwest-nordöstlicher Richtung streichende Thalsenkungen grösstentheils mit Papyrussümpfen ausgefüllt sind und ihr Wasser nach Nordost in den Nil senden. Je weiter man nach Norden und Osten vordringt, desto mehr tritt nach den Berichten der Reisenden die Steppenvegetation hervor; nur in den Thälern findet sich noch üppiger Pflanzenwuchs. An einigen Stellen jedoch, wie z. B. in dem grossen Walde von Tshägwe steht dichter Urwald. Der Seerand und die südöstliche Provinz Büddu ist mit einem breiten Streifen von dichtem, tropischen Urwald bedeckt, der sich bis auf die Ssesse-Inseln hinüberpflanzt und aus den Vertretern westafrikanischer Flora zusammensetzt. Hochstämmige Rubiaceen, riesige Mpäffu-Bäume (Canarium), roth- blüthige Spathodeen, schlanke Palmen (Phoenix uud Raphia) u. a. m. sind mit parasitischen Farnen und Orchideen bewachsen und mit einem dichten Gewebe von Lianen umsponnen. Hier und da bedeckt daumendickes, 12 bis 20 Fuss hohes Schilf die Niederungen und bildet zusammen mit Zigiberaceen (Amomum),
*) Bugända heisst das Land in der eigenen Sprache, Uganda bei den Wanyamwesi und Küstenleuten. Wir wollen der Bequemlichkeit halber letztere Bezeichnung wählen.
**) Wer Ausführlicheres wünscht, der lese die Werke von Speke, Grant, Stanley, Emin, Juncker, Wilson u. Felkin, Mackay und Ashe nach, die ich ausser meinen eigenen Notizen vielfach im Nachfolgenden benutzt habe.