VIII. KAPITEL.
Landmarsch um den Emin Pascha-Golf des Nyansa und erster Aufenthalt in Buköba.
Am 20. Oktober marschirte ich von Bussissi ab, zunächst eine kurze Strecke unserer alten Route folgend. Eine Stunde vom Lager entfernt, erwartete uns der Häuptling Rwöma, der als Tyrann von seinen Unterthanen ausserordentlich gefürchtet wird. Wo er eine Viehheerde erblickt, stiehlt er sie, und oft tödtet er in der Trunkenheit seine Leute. Damals hatte er gerade, wie er sagte, aus Trauer um seinen 1889 verstorbenen Sohn Ruikäma, in seinem Lande den Anbau von Sorghum für 3 Jahre verboten, so dass man auf Bananen, Bohnen und Bataten angewiesen war. Später verlängerte er dies »Gesetz« sogar auf die Dauer von 6 Jahren. Rwöma ist der südlichste der grossen Wahüma- Chefs von der Familie der Ruhmda, von denen weiter unten noch die Rede sein soll. Schon hier in Usindja *) weist die herrschende Klasse der Einwohner regelmässige, schmale Gesichtszüge mit langen schmalen Nasen auf und hat der bei ihrer Einwanderung vorgefundenen Urbevölkerung ihre Sprache aufgedrängt, die von Unyöro bis hierher nur leichte dialektische Verschiedenheiten zeigt. Rwöma, eine lange hagere Gestalt, ist der echte Typus eines solchen Mhüma. Kleidung, Bewaffnung und Wohnung weichen bedeutend von denen der bisher durchzogenen Gegenden 'ab. Ein an zwei Zipfeln zusammengeknotetes Tuch oder Fell wird über die Schulter gehängt, bei den Untergebenen tritt vielfach noch der Lendenschurz an dessen Stelle; die Lanzenspitzen sind sauber mit einer Blutrinne gearbeitet, Bogen und Pfeile fehlen daneben nicht. Die Hütten haben keine Seitenwände, sondern nur ein bienenkorbartiges, bis an die Erde reichendes Grasdach. **)
Am nächsten Tage verliessen wir den Creek des Nyansa, um in südwestlicher Richtung durch einen Akazienwald auf das kleine Dorf Ngöma zu mar-
*) Das Land heisst Usindja, wird aber von den Wassukünia oft als Mweri oder Moeri bezeichnet. **) Die (Gebiete von Usindja und am Süd-West-Creek des Nyansa sind von Pater Schynse (Letzte Reisen, Köln 1892) ausführlich dargestellt, so dass ich über vieles Erwähnenswerthe hinweggehen kann. Ebenso hat Stanley (Dunkelstes Afrika II, Bd.) die fraglichen Gegenden berührt und diese grosse Bucht des Nyansa entdeckt.