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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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VII. KAPITEL.

Von Taböra an den Nyansa.

Wir verliessen Taböra, wie erwähnt, am 28. August, um in gerader nörd­licher Richtung durch die Landschaften Unyamwesi und Ussuküma an den Victoria-See zu marschiren. Die in der Luftlinie etwa 260 Kilometer lange Strecke ist in ihrem südlichen Theile mit Hochwald und Busch bedeckt, in ihrer nördlichen Hälfte grösstentheils kahl. Hier ist das hauptsächlichste Ausbeutungs­gebiet des irischen Elfenbeinhändlers Mr. Stokes, der sein Haupt-Depot in Ussöngo hat.

Da im letzten Augenblick noch einige Träger fehlten, schlugen wir am eisten Tage unser Lager in einem ganz dicht bei Taböra gelegenen Vororte auf, von wo aus wir das fehlende Personal mit Hilfe von Ssef-bin-Ssäd er­gänzten. Erst am nächsten Tage erreichten wir den grossen Ort Uyüi, dessen Häuptling Mtemi uns einen grossen Elfenbeinzahn als Geschenk darbrachte und die deutsche Herrschaft vertragsmässig anerkannte. Neben seiner grossen von Euphorbiähecken umgebenen Tembe, worin sich runde Hütten und für ihn selbst ein scheunenartiges Gebäude befanden, liegt eine jetzt verlassene Mission der Ghurch Missionary Society, deren Baulichkeiten noch in vorzüglichem Zustande waren. Ein langes, mit Veranda umgebenes Haus hatte ganz nach europäischer Art gearbeitete Thürcn, Fenster und Mobilien, für uns ein lang entbehrter An­blick. Die ganzen Baulichkeiten waren vor Jahren von dem erwähnten Mr. Stokes errichtet, der damals noch als Techniker in Diensten der Missionsgesellschaft stand. Bei den Verhandlungen am Orte leistete uns ein in Uyüi ansässiger Araber, Namens Raschid-bin-Ali, gute Dienste.

Beim Weitermarsch hatten wir zwei Stunden hinter diesem Orte die eigen­artige Ueberraschung, dass unser Zug in völlig trockener Gegend von einem grossen männlichen Flusspferde angefallen wurde, das einem der Träger eine Wunde am Bein beibrachte, um alsbald den Schüssen unserer ssudanesischen Soldaten zum Opfer zu fallen. Die mohamedanischeh Küstenleute gemessen das

Fleisch des Flusspferdes nicht gern, wohl aber die Wassuküma, die daher an diesem Tage in lukullischen Genüssen schwelgten.

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