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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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V. KAPITEL.

Unyamwesi und Taböra.

Auf der Terrasse oberhalb Muhaläla angelangt, befanden wir uns bald in dichtem Buschwerk. Im Gegensatze zu den Dornsträuchern Ugögo's bilden hier Combretun, Anona und andere Laubhölzer die hervorragendsten Vertreter des Pflanzenreichs. Der dichte Busch wechselt ab mit lichterem niederen Wald, dem »Pori« der Eingeborenen, dessen Boden mit Gras bewachsen ist, mit Hoch­wald von Myombo-Bäumen (Berlinia Emini), deren eschenartiges Laub einen angenehmen Schatten gewährt, und endlich mit weiten Savannenflächen (»Buga« der Eingeborenen), auf denen vereinzelt niedrige, verkrüppelte Flötenakazien ihr Dasein fristen. Die Ausdehnung der Mgunda-mkali, die sich im Jahre 1880 noch 9 Tagesmärsche weit hinzog, wird von Jahr zu Jahr geringer, da sie vom Westen her mit Wanyamwesi-Kolonien besiedelt und von diesen angebaut wird. So trafen wir bereits in Pungusi dicht an der Ugögogrenze eine grosse Tembe, die sich durch Sauberkeit und schön geglättete Wände vortheilhaft vor denen derWagogo auszeichnete. Auf den Aussenwänden waren nach Unyamwesi-Art rohe Zeichnungen von menschlichen Figuren und Thieren angebracht. Von hier aus hatten wir bis zur nächsten Station vier Tage lang (18 Stunden) durch un­bewohntes Pori zu marschiren. Unterwegs bot sich uns an einem Teich, in dessen Nähe wir lagerten, der Anblick eines vielgestaltigen Thierlebens. Zahl­reiche Francoline und Perlhühner belebten die grasigen Ufer; auch ein grosser männlicher Löwe liess sich von fern sehen, verschwand aber sofort wieder, nach­dem er unserer ansichtig geworden. Leider stellte sich hier Lieutenant Langheids Gallenfieber mit erneuter Heftigkeit wieder ein, sodass er bis Taböra fast unaus­gesetzt getragen werden musste. Noch grössere Sorge aber machte uns der Zustand des Herrn von Bülow, der seit mehreren Tagen schon an einer Art typhösen Fiebers darniederlag und sich so vollkommen apathisch zeigte, dass der Pascha die schlimmsten Befürchtungen hegte. Er hatte uns eigentlich nur bis Unyangwi'ra begleiten sollen; nun waren wir freilich gezwungen, ihn weiter mit­zunehmen, da es unmöglich war, ihn in diesem Zustand allein nach Mpwäpwa zurückzusenden.