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Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Ein Reisebericht / mit Beiträgen v. Emin Pascha (d. i. Eduard Schnitzer), in seinem Auftr. geschildert v. Franz Stuhlmann. Im amtl. Auftr. d. Kolonial-Abth. des Auswärtigen Amtes hrsg. 2 Ktn v. R. Kiepert u. F. Stuhlmann, 2 Portr. u. 32 Vollbildern sowie 275 Textabb. nach Photogr. u. Skizzen des Verf. von W. Kuhnert u. a. T. 1.2 in 1 Bd
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II. KAPITEL.

Das Küstengebiet bis Mpwäpwa.

Am 26. April früh brach der Pascha mit uns Offizieren, den Soldaten und dem Privat-Gepäck von Bagämoyo auf. Die Geschütze des Forts donnerten ihren Salut, als wir, begleitet von sämmtlichen anwesenden Offizieren, aus der Stadt heraus ritten, voran die schwarz-weiss-röthe Flagge. Die Soldaten, gleichfalls von den Ihrigen eine Strecke begleitet, sangen in gehobener Stimmung frohe Marschlieder und bald hatten wir die Hütten der um die Stadt gelegenen park­artigen Plantagen, die von üppigen, dunklen Mangobäumen und hohen Kokos­palmen umgeben sind, hinter uns gelassen und waren nach etwa einer Stunde an den zwei kleinen Sümpfen bei der Stadt, von denen der grössere Tschemtschem genannt wird, angelangt, wo sich die Mehrzahl der uns begleitenden Herren mit den wärmsten Segenswünschen für den Frfolg unserer Reise verabschiedeten. Nur der Stationschef Herr Ramsay begleitete uns noch eine Stunde weiter über die etwas versumpfte Flussniederung bis zur Fähre über den Rufu- oder Kingani- fiuss, wo eine kleine Befestigung unter dem Kommando von Herrn Bohndorf, dem wohlbekannten Begleiter von Dr. Juncker und Prof. Lenz, sich befindet.

Während der Niederwerfung des Aufstandes der Küstenstämme hatte Major von Wissmann hier an der Kingani-Fähre auf dem rechten Flussufer einen kleinen befestigten Posten aus Balkenwerk und Wellblech erbauen lassen, den die Eingeborenen schlechtweg Mtoni, d. Ii. am Flusse, nennen. Von hier aus konnte man mit einem dreiläufigen Nordenfeldt'schen Geschütz das gegenüber­liegende Ufer bestreichen. Herr Bohndorf, der Chef dieser kleinen Station, wohnte in einem neben diesem Posten aufgestellten Zelt.

Die Gegend zeigt hier einen ausnahmsweise öden Charakter, der den üblichen Vorstellungen von tropischer Vegetation keineswegs entspricht, und ein gleich nach unserer Ankunft herabprasselnder Regen Hess sie nur noch unwirth- licher erscheinen. Fuhr ich aber zu anderen Zeiten mit einem der kleinen Einbäume eine Strecke weit flussaufwärts, so erstaunte ich über die Pracht des landschaftlichen Bildes, in dem sich an den zahllosen Flusswindungen die dichten, von Lianen besponnenen Vegetationswände coulissenartig voreinander- schieben und immer neue reizvolle Ausblicke gewähren. Zahllose Vögel, wie