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Quer durch Uganda : eine Forschungsreise in Zentralafrika 1911/1912 / Rudolf Kmunke
Entstehung
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AUF DEM NIL

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Unser Dampfer I DasWalzertanzen" I Kurven und Sandbänke I In Mon- galla I Zerstörte Telegraphenlinien I Eine Strafexpedition gegen den Berri- stamm I Ein märchenhaftes Jagderlebnis I Eintönige Fahrt I Aufgefahren I Weltabgeschiedene Ingenieure I Ein Papyrusbrand.

Der Nildampfer » Amara«, der nun bis auf weiteres unser Heim bildet, ist kein Riesenschiff mit allen Bequemlichkeiten eines modernen Hotels, wie sie auf den grossen Ozeandampfern geboten werden, sondern ein Schiff von bescheidenen Dimensionen, das sich langsam und bedächtig durch die Wellen schaufelt. Es besitzt in der ersten Etage neun Kabinen erster und vier Kabinen zweiter Klasse, eine Badekabine und einen kleinen Speiseraum, in dem die Erste-Klasse- Passagiere und der Kapitän gerade knapp Platz finden. Das Oberdeck enthält noch einen kleinen gedeckten Aufbau, der mit engmaschigen Drahtnetzen gegen die Moskitos umspannt ist und als Schlafraum für die Passagiere erster Klasse dient, die in diesem luftigen und kühlen Zimmer sehr angenehm übernachten können. Die dritte Klasse befindet sich mit den Räumen für das Gepäck und den Tiertransport auf zwei ganz flach gebauten und mit einer Etage versehenen Begleitschiffen, die zu beiden Seiten mit dem Dampfer verbunden sind. Diese Seiten­schiffe bilden aber auch gleichzeitig die Puffer des Dampfers, der in dem schmalen, aus dem Papyrus gestochenen und gebaggerten Nil­bett von der Strömung oder infolge der Sandbänke oft recht unsanft an die Ufer geworfen wird. Diesen Stoss fängt nun das leicht gebaute Seitenschiff auf, und der Dampfer muss dann eine Drehung um das aufgefahrene Seitenschiff vollführen, um wieder in freies Wasser zu gelangen. Der Kapitän nennt diese etwas merkwürdige Art der Fort­bewegung das »Walzertanzen« des Schiffes. Aber man gewöhnt sich während der endlos scheinenden Fahrt an diese Extratouren und be­achtet es schliesslich gar nicht mehr, wenn das Schiff tanzlustig wird. Es ist dies übrigens noch lange nicht das schlimmste, denn es kommt

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