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Quer durch Uganda : eine Forschungsreise in Zentralafrika 1911/1912 / Rudolf Kmunke
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IN NIMULE.

Die ersten Zeichen der Kultur / Der Einmarsch in Nimule f Waghalsige Goldsucher / In ständigem Kampf mit den Eingeborenen / Ein Brief Slatin Paschas / Die Erkrankung meiner Begleiter.

Die kurze Strecke, die uns noch von Nimule trennte, ward am nächsten Tage, dem 18. Februar, bald zurückgelegt. Von unserem Lager schritten wir gegen Westen bergab, durchquerten das versumpfte Flussbett eines Nebenflusses des Assuariver und be­fanden uns dann auf einer breiten, schönen Strasse, der ersten, die wir nach langer Zeit wieder betraten. Nach dreieinhalb Stunden er­reichten wir eine kleine Anhöhe, von der aus wir blechgedeckte Häuser, eine Kasernenanlage mit ihren vielen regelmässig errichteten Stroh­hütten und knapp dahinter das breite, silberne Band des an den Nyiri- bergen vorüberströmenden heiligen Nils sahen, den wir bei den Ripon- falls verlassen hatten und der uns nun hier nach einem Hunderte von Kilometern langen Laufe wieder entgegenglänzte. Wir genossen eine Weile den Anblick auf Nimule in dem Gefühl, nach langem Auf­enthalte in der afrikanischen Steppe nun wieder die ersten Zeichen der Kultur zu sehen; es gab wieder aus Stein errichtete Gebäude, grosse Wohn- und Amtshäuser für die englischen Beamten, Läden indischer Kaufleute kurz, wir näherten uns der breiten Karawanen­route, die in Gondokoro von Khartum aus mit bequemen Dampfern zu erreichen ist, und von dort bis Nimule und auf dem Nil über Wadelai und den Albert-See bis Butiaba führt, von wo sich wieder eine gepflegte Karawanenstrasse nach Kampala und Entebbe, unserem Ausgangspunkte, erstreckt. Wir hatten freilich nicht diese bequeme, weit im Bogen führende Route gewählt, die so mancher in der Riksha zurücklegt, sondern waren durch das pfadlose nördliche Uganda marschiert, da wir unbekanntes Land sehen und unseren Fuss auf bisher von Europäern unbetretene Gebiete setzen wollten.

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