BEI DEN ACHOLL 1
An den Ufern des Nam / Afrikanisches Gewitter / Ein unterbliebener Angriff / Die Kinderhütten der Acholi I Unsinnige Eingeborenenmoden I Schlanke Taillen / Der medizinsüchtige Häuptling.
Nördlich von Adelang, das wir am nächsten Morgen in Begleitung der beiden Häuptlinge verliessen, erstreckt sich das weite Gebiet der Kamjuru 2 oder Acholi, das zwischen dem Nil im Westen und den Naqua- und Toburbergen und den sich an diese anschliessenden Ge- birgsstöcken des Napong und Parabonga im Osten liegt. Diese Bergkette, die sich gegen Norden noch in vielen kleineren Felsspitzen etwa hundert Meilen weit fortsetzt, bildet die Grenze zwischen den Acholi und Karamojo. Die Gegend zeigt fast durchweg Steppencharakter, stellenweise gibt es auch dichteres Buschland und kleinere, aus der Ebene aufsteigende Berge. Der Boden ist fruchtbar, und die Niederlassungen werden, je mehr man sich dem Nil nähert, desto zahlreicher und grösser. Die Humusschicht ist nicht sehr stark und liegt über Granitfelsen, die oft, namentlich an den Ufern der Flussläufe, in grossen Flächen nackt zutage treten.
Unser Weg führte uns über Odong durch dichtes Buschland und zwischen einigen kleineren Erhöhungen hindurch nach vierthalbstündigem Marsche in das erste Dorf, Jale, das auf einer Anhöhe um einen hohen alten Baum angelegt war. Unter diesem schlugen wir unsere Zelte auf einem grossen sandigen Platze auf, um den herum die Hütten der Eingeborenen standen. Unsere Träger Hessen wir ausserhalb der Niederlassung lagern, um die dann und wann vorkommenden Plünderungen, auf die ich grosse Strafen gesetzt hatte, vollständig zu verhindern. Das Dorf, in dessen nächster Nähe sich das Flussbett des Nam, eines Nebenflusses des Assuariver, befindet, ist mit einem einige Meter hohen Zaun aus dicken Stämmen und Aesten umgeben, der
1 ch = wie tsch gesprochen. a j = wie dsch gesprochen.
116