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Quer durch Uganda : eine Forschungsreise in Zentralafrika 1911/1912 / Rudolf Kmunke
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IN DEN NAQUABERGEN ABGEIRRT.

Ein Schlangenbiss I Besuch der Eingeborenen I Die Furcht vor den Naqua Aufbruch in die Berge I Von meiner Karawane abgeirrt I Rencontre mit den Eingeborenen I In heikler Situation / Eine schlaflose Nacht I Unterbrechung der wissenschaftlichen Arbeiten / Eintreffen meiner Karawane I Die Schmiede­hütten der Toburleute I Anna- und Josefaberg I Besuch dreier Häuptlinge I In Adelang I Von wilden Bienen überfallen.

Später als gewöhnlich erwachten wir am nächsten Morgen, erquickt von dem Schlaf, der uns so notgetan, und frohen Mutes in der Ueber- zeugung, dass wir die Gefahr des nächtlichen Angriffes durch unsere Wachsamkeit und entschlossenen Vorbereitungen abgewendet hatten. Narima Lengomoi (der Tapfere, der viele ermordet hat), so hiess unser Naquahäuptling, verliess schon um 7 Uhr das Lager, um sich zu seinen Leuten zu begeben, und versprach uns, am nächsten Tage einige Eingeborene, auch Weiber, sowie ethnologische Gegenstände mitzubringen.

Jetzt, da wir nicht mehr ermüdet waren und die helle Morgen­sonne alles bestrahlte, konnten wir uns der ausserordentlich schönen Lage unseres Kamps erst so recht erfreuen. Das lange, schmale Tal, zu dessen beiden Seiten steile Bergwände emporstiegen, war von einer Menge mächtiger, schlanker Burassuspalmen mit ihren grossen, runden, gelben Früchten bewachsen, und an den herabhängenden Wedeln schaukelten sich viele langschwänzige, buntfarbige Vögel. Der Unterwuchs, aus dem viele alte Bäume emporragten, war un­gemein dicht und erinnerte an die Vegetation des Urwaldes.

Nachmittags, während ich mit kartographischen Aufnahmen be­schäftigt war, bestieg Dr. Stigler mit seinem Sais (Eseltreiber) und seinem Boy Kilimandscharo eine der höchsten Bergspitzen im Naqua- gebirge, die wir nach seiner Mutter » Annaberg« benannten. Er kam erst spät abends ins Lager zurück, leider mit einem Schwerverletzten. Sein Eseltreiber war beim Abstieg von der Spitze auf eine Gift­schlange getreten, die sich um seinen Fuss ringelte und ihn in die

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