Schluß.
„Jede Erörterung afrikanischer Eisenbahnfragen hört auf, eine ernste zu sein von dem Augenblick an, wo man das Problem der Rhodesschen Meridianbahn durch Afrika mit zum Gegenstand der Besprechung zu machen beliebt." So äußerte sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine afrikanische Autorität wie Schweinfurth, und noch im Jahre 1902 spendete Hans Meyer dieser Anschauung in seiner Studie über die Eisenbahnen im tropischen Afrika lebhaften Beifall. Heute aber sind von der 9500 km langen Gesamtstrecke zwischen dem Kap und Kairo 5600 km als Schienenweg ausgebaut und weitere 2600 km als brauchbare Zwischenglieder zu Wasser vorhanden, so daß an der vollständigen Verbindung nur noch 1300 km fehlen!
Das alte, bis zur Jahrhundertwende festgehaltene Dogma, das über eine gewisse Entfernung von der Küste hinaus afrikanischen Eisenbahnen alle Existenzfähigkeit absprach, ist schlechterdings nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Verwirklichung der großen, durchgehenden Verbindungen von Nord nach Süd, von Ost nach West rückt zusehends näher.
Vor allen Dingen aber ist es die Vereinigung zwischen Binnenschiffahrt und Schienenwegen, die einen immer vollkommneren Ausbau erfährt. Alle kolonisierenden Mächte haben sich dieses Ziel gesetzt und es zum Teil bereits erreicht. Der größten Rückständigkeit hat sich in dieser Beziehung das kolonisierende Deutschland schuldig gemacht — eine Schuld, die sich um so bitterer rächen muß, als die deutsche Versäumnis für die Nachbarkolonien den Anreiz zur Verkehrsentziehung bietet und der Verkehr um so schwerer wieder durch das eigene Gebiet zurückzulenken ist, je länger er sich der Ablenkung angepaßt hat. Die praktische Bedeutung der Verkehrsentziehung ist unter anderem die, daß wir die Verwaltungskosten für die Kolonien tragen, andere aber die wirtschaftlichen Vorteile aus ihnen ziehen.
Die ganze deutsche Verkehrspolitik in unserer ostafrikanischen so gut, wie in den beiden westafrikanischen Kolonien muß darauf hingerichtet sein, der Verkehrsentziehung, wo sie bereits geübt wird, ein Ende zu bereiten und ihr, wo sie für die Zukunft droht, vorzu-