Vorwort
Das durch die Ereignisse der letzten Jahre endlich wieder zu gebührendem Leben erweckte koionialpoiitische Interesse unseres Volkes wird sich in absehbarer Zukunft praktisch vor allen Dingen durch die Förderung des Verkehrswesens zu betätigen haben. Hat uns doch gerade die langjährige Vernachlässigung kolonialer Verkehrspolitik jene großen Opfer an Gut und Blut auferlegt, die vorübergehend eine gewisse Kolonialmüdigkeit erzeugten.
Wo nicht gerade antikolonialer Doktrinarismus das Wort führt, da ist im großen und ganzen bei uns heute eine tatkräftige Verkehrserschließung unseres afrikanischen Besitzes wohl allgemein als erste Voraussetzung für eine solche Entwicklung der Kolonien anerkannt, die im Laufe der Zeit die erbrachten Opfer auszugleichen, die Kolonien auf eigene Füße zu stellen und ihre großen Zukunftswerte zu heben vermag. „Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika" sind nun zwar bereits vor einigen Monaten dem Reichstag in der großen amtlichen Denkschrift über „Die Eisenbahnen Afrikas" unterbreitet worden. Aber so anerkennenswert die darin gebotene umfassende Materialsammlung auch ist und so geeignet sie erscheinen mag, dem Spezialisten und dem kolonialpolitisch besonders interessierten Parlamentarier ein wünschenswertes Hilfsmittel seines Studiums zu bieten, so wenig vermag doch ein derartig dickbändiges und in die kleinsten Details eindringendes Werk auch in weiteren Kreisen das Verständnis für jene verkehrspolitischen Fragen der Kolonien zu fördern, die in den nächsten Jahren unbedingt im Vordergrund der Kolonialpolitik stehen müssen.
Drängte schon diese Erwägung zu einer in knappem Rahmen zusammenfassenden Heraushebung des Wesentlichsten aus dem durch die Denkschrift gebotenen überreichen Material, so ließ darüber hinaus eingehenderes Studium die Notwendigkeit erkennen, die koloniale Eisenbahnpolitik nicht als ein isoliertes Gebiet zu behandeln, sondern die gesamte afrikanische Verkehrspolitik, wie