Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

Die Vorherrschaft der Portugiesen

vermuteten Silberminen zu setzen. Schon 1577 rvurde am Cuanzafluß das Fort S. Cruz gebaut, 1583 ein Fort in Masscm- gano errichtet, 1587 im südlichen Angola ein Fort in Benguella velha angelegt. Fortwährende blutige Kämpfe mit den Ein­geborenen kennzeichnen die Geschichte Angolas, roo die portu­giesische Herrschaft indes tiefer ins Innere eingedrungen und festere Wurzeln gefaßt hat als sonst irgendwo im dunklen Erdteil.

5. Süd- und Ostafrika.

Es ist sehr auffallend, daß die Portugiesen nicht daran gedacht haben, das für europäische Kolonisation weitaus am besten ge­eignete Gebiet Afrikas, das Kapland zu besetzen. Ihre Schiffe haben wiederholt die Saldanha- sowie die Tafelbai besucht, um sich mit frischem Wasser zu versehen, aber es wurde keine dauernde Siedlung begründet. Es lassen sich für diese dem modernen Kolonialpolitiker fast unglaubliche Unterlassung verschiedene Gründe anführen: die Eingeborenen Südafrikas, die Hotten­totten schienen den Portugiesen besonders armselig zu sein, ein lohnender Handelsverkehr mit ihnen war kaum möglich, und ihre feindselige Haltung (1510 wurde der aus Indien heimkehrende Vizekönig Francisco d'Almeida von den Hottentotten getötet), ließ die Kolonisation Südafrikas als ein gefährliches Unternehmen erscheinen. Aber auch das Land hatte den Portugiesen wenig zu bieten: gerade der Umstand, daß es in der gemäßigten Zone ge­legen war, war für sie ein Grund, der gegen eine Kolonisation sprach; sie suchten kein Land zur Besiedlung, sondern wollten einen gewinnreichen Handel mit tropischen Produkten treiben. Für den Sklavenhandel waren die Aussichten in dem öden, menschenleeren Lande wenig günstig, vom Vorhandensein von Gold und Diamanten im Hinterland ahnte man natürlich nichts. Freilich hätte noch ein anderer Gesichtspunkt die Portugiesen dazu bestimmen können, wenigstens die Tafelbai zu okkupieren, der Wunsch, einen Landungsplatz auf dem Wege nach Ostindien zu besitzen, aber die Stürme, die oft in der Nähe des Kaps herr­schen, mögen wohl schuld daran gewesen sein, daß die Portugiesen das Kap auch nicht einmal als Flottenstation besetzt haben. Über­dies legten ihre Schiffe gewöhnlich bei der Insel St. Helena an, wo sie Früchte angepflanzt und Vieh hintransportiert hatten,