Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
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Die Vorherrschaft der Portugiesen

Inseln naturgemäß Plantagenkolonien geworden sind, haben sich die Azoren, Madeira (und die Kanarischen Inseln), die sich sämt­lich eines gemäßigten Klimas erfreuen, zu echten Siedlungs­kolonien entwickelt. Es ist charakteristisch, daß diese Inselgruppen heute nicht als Kolonien, sondern als Provinzen des Mutterlandes angesehen werden.

4. Die Westküste.

Die erste portugiesische Niederlassung, die wir an der afrika­nischen Westküste südlich vom Kap Bojador antreffen, ist Arguin (oder Arguinl». Auf der südlich vom Kap Blanco in einer Bucht gelegenen Insel bauten die Portugiesen 1448 ein Fort, in dem sich bald ein lebhafter Handelsverkehr mit den maurischen Stäm­men der Umgebung entwickelte. Arguin war damals Endpunkt einer Karawanenstraße, die von Timbuktu durch die Wüste nach dem Atlantischen Ozean führte. Hauptgegenstand des Handels waren die Produkte des Sudans, wie Gold, Gummi und Felle, die hier gegen europäische Tuch-, Leinen- und Metallwaren eingetauscht wurden, vor allem aber Sklaven; nach einer Angabe Cadamostos sollen schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts 7800 im Jahre von Arguin verschifft worden sein. Um den Handelsverkehr mit Timbuktu sicherer zu beherrschen, drangen die Portugiesen sogar ins Hinterland vor. Vorübergehend sollen sie eine Faktorei in Oadam, einer in der Wüste gelegenen Oase, besessen haben. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts scheint der Handel von Arguin, vielleicht infolge von Völkerverschiebungen, die sich in dieser Region vollzogen hatten, viel von seiner alten Bedeutung eingebüßt zu haben. Der Platz, der in der Kolonial­geschichte des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts noch eine bedeutende Rolle spielen sollte, ist bis 1638 im portugiesischen Besitz geblieben.

Über der weiten, zwischen Arguin und der Goldküste gelegenen Region schwebt bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts ein Dunkel, das vielleicht einmal gelichtet werden wird, wenn weitere Ur­kunden aus den reichen Schätzen des Lissaboner Archivs bekannt werden. So viel steht fest, daß die Portugiesen im 16. Iahr-

Vgl. insbesondere den Aufsatz von Kunstmann in den Abhandlungen der historischen Klasse der bayrischen Akademie der Wissenschaften VI, 1 (Mün­chen 1850), S. 171 ff.