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Die Entwicklung und der Stand der geographischen Forschung über Uhéhe in Deutsch-Ostafrika / von Ernst Battré
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Einleitung

Ohne Zweifel ist in den letzten vier Jahren in Deutschland ein kolonialer Aufschwung zu verzeichnen. Das Interesse für die Schutz­gebiete ist sichtlich im Wachsen begriffen, und die Fragen kolonialer Aufgaben treten von neuem in den Vordergrund; Fragen der Kolonial­wirtschaft über Produktion, Handel, Verkehrspolitik und vor allem über europäische Ansiedlung nehmen den breitesten Raum ein.

Die Grundlage aller dieser Fragen aber bildet die geographische Erforschung des Landes, die zu fördern auch die Aufgabe eines jeden Wirtschaftspolitikers sein müßte. Erfreulicherweise läßt sich da kon­statieren, daß das geographische Bild unserer Kolonien von Jahr zu Jahr an Klarheit gewinnt, in erster Linie durch die uneigennützigen, gewissenhaften Routenaufnahmen unserer deutschen Offiziere.

Wenn man die schon ziemlich umfassende Literatur über die Be­siedlung durch Europäer überblickt, so erkennt man, daß besonders Uhehe im südlichen Teil von Deutsch-Ostafrika mit seinen klima­tischen Vorzügen als »a white man's country«, um einen Ausdruck Cecil Rhodes' zu gebrauchen, bezeichnet werden muß. Aber fast alle Forscher, ob sie sachlich abwägend die Bodenverhältnisse prüfen und loben oder ob sie enthusiastisch den wunderbaren Reiz jener herr­lichen fast deutschen Gebirgslandschaften schildern, kamen bisher zu einem negierenden Gesamtresultat; denn dies Land ist durch eine fieberreiche Ebene von der rund 300 km entfernten Küste getrennt. Dem Ansiedler fehlt ein gesunder Zugang und ein schneller, billiger Absatzweg zur Küste.

Diesem Übelstande ist mit einem Male abgeholfen worden, seit­dem eine zielbewußte Eisenbahnpolitik den Bau des Schienenstranges so gefördert hat, daß schon jetzt die Bahn bis Kilossa geht, der Weg nach Uhehe um 15 Tagemärsche verkürzt ist und die Möglichkeit einer Vermeidung der Fiebergebiete gegeben ist.

Allen Ernstes schlägt Arning 1 ), der als einer der besten Kenner dieses Landes gilt, vor, man solle die Hauptstadt von Deutsch-Ost­afrika aus der ungesunden Küstengegend in die erfrischende Berg­landschaft Uhehe verlegen, deren herrliches, fast europäisches Klima

') 1, S. 150.