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Wirtschaftsgeographie von Afrika / von K. Dove
Entstehung
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Zweiter Teil.

heute noch in ihren ersten Anfängen steht. Besonders große, erst in vielen Jahrzehnten zu bewältigende Aufgaben aber harren auch hier wieder der Technik in großen und kleinen Regulierungsarbeiten an und in den Gewässern des Landes, in der Wegschaffung oder Überwindung von Hindernissen innerhalb der Ströme und schließlich auch in der Errichtung von Kraft­anlagen an geeigneten Stellen. Was die Wasserbauten gerade in Flach­afrika bedeuten, das zeigen bereits bestimmte Pläne, die im Laufe der letzten Jahre entstanden sind, und von denen nur auf zwei an dieser Stelle ver­wiesen werden mag. Es sei an den im englischen Parlament bewilligten Kredit von 60 Millionen M. für die Herstellung von Stauanlagen am Blauen Ml zum Zweck der Sudanbewässerung erinnert. Vor allem aber an den Plan von Well und Kapitän de Longueville, welche die untere Reihe der Kongofälle auf ihre Schiffbarmachung, bzw. Umgehung hin untersucht haben. Nach ihrem Bericht ist die Herstellung eines Schiffsweges vom Stanleypool nach Matadi durchaus möglich. Sie würde einen Aufwand von ungefähr 80 Millionen M. verursachen. Das sind Summen, die für die weißen Kulturvölker dasselbe bedeuten wie die Anlage einer größeren Bahn. Man sieht, auch dieses gewaltige Wirtschaftsgebiet stellt uns Auf­gaben gegenüber, deren Ausführung uns nicht nur in ihren dauernden Folgen, sondern schon auf Grund der durch sie unmittelbar veranlaßten Europäerarbeit reichen Gewinn verheißt.

Fünftes Kapitel.

Hochafrika.

Die zweite der großen Landschaften südlich von der Sahara, Hoch­afrika, läßt ebenfalls in dieser Bezeichnung den Grundzug ihrer geogra­phischen, auf wirtschaftlichem Gebiete überall zutage tretenden Eigenart erkennen. Aber auch auf ihre Verkehrsbeziehungen nach außen ist ihr eigentümlicher Bau nicht ohne tiefgreifenden Einfluß geblieben, wozu freilich die Weltlage in gleichem Maße beitrug. Gerade die fruchtbarsten und zugleich die am leichtesten zugänglichen Gebiete ziehen sich als mehr oder weniger breiter Niederungsgürtel etwa von 4° S. B. bis über den süd­lichen Wendekreis hinaus dem Meere entlang. Die Reise nach dem Innern dagegen war bis in neuere Zeiten selbst für größere Karawanen mit man-- cherlei Schwierigkeiten verbunden, während die Küste, sehr im Gegensatz zu der westafrikanischen, an zahlreichen Stellen gute Plätze zum Landen aufwies. Dazu kamen noch zwei Besonderheiten der Lage, die auch für die etwas südlich vom Äquator beginnenden trockenen Küstenländer gelten. Das ist einmal die unmittelbare Nachbarschaft südasiatischer Gebiete, ferner aber der Wechsel zwischen südwestlichen und nordwestlichen Winden im Laufe des Jahres, der selbst kleinen und gebrechlichen Fahr­zeugen den Verkehr zwischen den beiden Weltteilen gestattete. So treffen wir in diesem Teile von Afrika schon frühe auf Beziehungen, die durch die Vermittlung der Südasiaten eine gewisse Halbkultur gerade in den Ufer- Bändern des Indischen Ozeans verbreiteten. So wurde auch in der ersten Zeit das Küstenland der am meisten von ihnen befruchteten Landschaft, der Sansibar gegenüberliegenden Gegenden, zum Ausgangspunkt euro­päischen Einflusses und europäischer Kolonisationsbestrebungen. Erst eine ganze Reihe von Jahren nach der Besitzergreifung durch die Europäer begegnen wir ausgedehnterer kolonisatorischer Tätigkeit auch im fernen