Viertes Kapitel. Flachafrika.
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bringen wird, läßt sich heute noch nicht einmal in Form von Vermutungen aussprechen. Soviel ist gewiß, daß das Wüstengebiet als Ganzes stets eine Einöde bleiben wird. Vielleicht, daß, wie schon angedeutet, in den Siedlungen der Sahara die Verwertung der Sonnenkraft einmal zu Bedeutung kommt. Vorläufig müssen wir uns bescheiden, in dem ungeheuren Gebiet eine Trennungszone zu sehen, die die tropischen Wirtschaftsgebiete von denen der subtropischen Striche Nordafrikas nahezu vollständig scheidet.
Viertes Kapitel.
Flachafrika.
Die beiden zuerst behandelten Wirtschaftsprovinzen tragen auch insofern keinen eigentlich afrikanischen Charakter, als sie in ihrer Ausdehnung eher mit südeuropäischen oder vorderasiatischen Ländern verglichen werden können. Nunmehr, nach Überschreitung der großen Trennungszone der Sahara, gelangen wir in ein Gebiet, das uns zum ersten Male nötigt, mit uns ungewohnten Maßstäben zu rechnen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Längen und Flächen des ganzen Gebiets, sondern auch auf die Entwicklung seiner Gewässer.
Schon die Entfernungen innerhalb Flachafrikas übertreffen alles, was wir aus den Kulturländern Europas kennen. Der nördlichen, allgemein als Sudan bezeichneten Zone, zu der wir in diesem Falle die Küstenländer von Oberguinea rechnen, kommt bis zur Nordgrenze ihrer der Sahara parallel verlaufenden Steppen eine ungefähre Breite von 1200 km zu; die Länge dieser einen Landschaft vom Atlantischen Ozean bis zum Westabhang des abessinischen Hochlandes beträgt unter 10° n. B. annähernd 5500 km! Zu diesem Gebiet kommt nun aber noch das ungeheure Kongobecken, dessen weniger hohe Teile man auf mehr als 2 Millionen qkm schätzen kann. Ganz Flachafrika erreicht demnach eine Ausdehnung, die man vom rein physikalischen Standpunkt aus auf wenigstens 9 Millionen qkm, also auf nur etwa ein Zehntel weniger als die Größe von Europa ansetzen kann.
In seinen geographischen Einzelzügen sowohl wie in den natürlichen Grundlagen des wirtschaftlichen Lebens bildet dies ungeheure Gebiet durchaus eine Einheit. Nur in einem Punkte, in seiner sich im Großverkehr äußernden Weltlage, besteht ein scharfer Gegensatz zwischen dem Westen und dem Osten. Der westliche Teil ist das den Europäern am leichtesten zugängliche Gebiet des tropischen Afrika, der Osten das bis jetzt am schwersten erreichbare. Während von Cuxhaven oder Bremerhaven bis Sene- gambien nur eine Strecke von rund 2900 und selbst bis Kamerun nur von etwa 4900 Seemeilen zurückzulegen sind, beträgt die entsprechende Entfernung bis zu dem Haupteingangspunkt in den östlichen Sudan, dem Hafen Port Sudan, 4300 Meilen. Zu diesem großen Unterschied in der allgemeinen Verkehrslage kommt aber noch ein weiterer, nicht minder wesentlicher. Im Westen liegen die fruchtbarsten und darum wirtschaft- ' lieh wichtigsten Gegenden in großer Nähe des Meeres, ja die wertvollsten von ihnen sind vorläufig noch fast alles Küstenländer. Anders im Osten. Selbst wenn man die Gegend von Kartum als den Anfang der zukunftsreichsten Gebiete ansehen will, muß man beachten, daß bis zu diesem Ort noch eine Eisenbahnstrecke von 788 km vom Roten Meere aus zurückzulegen ist. Sogar im Personenverkehr liegt Kartum von Berlin nach Eckert 12 Tage entfernt; da es sich für uns hier um den Schiffsverkehr handelt,