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Wirtschaftsgeographie von Afrika / von K. Dove
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Zweiter Teil.

französischen Republik mit 5 und selbst hinter Österreich-Ungarn mit 5 und 4 zurück­bleibt, sowie' daß Rußland mit 1,5 1913 von Japan eingeholt ist. So sonderbar diese Dinge anmuten, so leicht erklären sie sich daraus, daß der Suezkanal eben eine Straße für den großen interkontinentalen Verkehr bildet und daß er aus geographischen Gründen als Verbindung zwischen den ihm unmittelbar benachbarten Seitennieeren nur in ganz geringem Maße in Betracht kommt. In den hier wiedergegebenen Zahlen haben wir somit den unmittelbaren Beweis für den schon früher aufgestellten und vorhin wiederholten Satz, daß der Kanal eigentlich nur geringen Einfluß auf afrikanische Gebiete äußere.

Die Aufgaben, welche der Zukunft in den östlichen Gebieten von Nordafrika harren, ergeben sich ohne weiteres aus der Natur dieser Länder. Ist Wasserarmut das Hauptmerkmal für den größten Teil ihrer Oberfläche, so folgt daraus als wichtigste Aufgabe der Technik die Schaffung ausge­dehnter Bewässerungsanlagen. Weniger als in anderen Teilen Afrikas wird der Bau von Eisenbahnen sie in Anspruch nehmen. Im Westen ist die Entfernung der nutzbaren Landschaften vom Meere nicht bedeutend genug, um die Anlage weit in das Innere reichender Linien zu rechtfertigen. Außer­dem kommen die Hindernisse, die in den Atlasländern zu so mannigfachen Kunstbauten zwingen, hier in Fortfall. In Ägypten dürfte wiederum die heutige Ausdehnung des Bahnnetzes keine sonderliche Erweiterung er­fahren.

Von besonderer Bedeutung sind dagegen in beiden Ländern gewisse Änderungen der Landwirtschaft. In Tripolis und Barka ist auf diesem Gebiete, die Dattelkultur ausgenommen, eigentlich noch alles zu tun. Künftige Kolonisatoren werden dabei an die entsprechenden Kulturen des Mittelmeergebiets anknüpfen. In Ägypten wiederum wäre für die Eigenwirtschaft des Volkes dringend zu wünschen, daß der reiche und fruchtbare Boden zunächst einmal dazu benutzt würde, die Ernährung der Bevölkerung ganz von den Zufuhren von außerhalb unabhängig zu machen. So wertvoll die Baumwollkulturen an und für sich sind, so müssen wir doch festhalten, daß sie im Welthandel noch weit hinter denjenigen Indiens zurückstehen. Neuerdings kann man ihren Anteil an der Welt­produktion auf 6 bis 7 v. H. schätzen. Mit einer Vermehrung um 1 oder 2 v. H. ist der ägyptischen Wirtschaft aber weit weniger gedient als mit der Vermehrung der Ausfuhr anderer Erzeugnisse der Landwirtschaft, unter denen Zucker, Keis, Mais, ferner Gemüse, Früchte und Eier in erster Linie für Europa in Frage kommen. Die Ausfuhr der zuletzt genannten Dinge würde schon darum einen guten Markt in kühleren Gegenden finden, weil Ägypten sie wegen seines Temperaturganges noch etwas zeitiger als die Atlasländer zu liefern imstande sein würde. Die in vielen Fällen bessere Qualität von Früchten und Gemüsen des Nillandes gegenüber Südeuropa sollte, da es sich vorwiegend um Deckung des Bedarfs der bemittelteren Klassen in den europäischen Empfangsländern handelt, doch die ver­mittelnden Kreise des Handels zu Unternehmungen auf diesem Felde landwirtschaftlicher wie kaufmännischer Tätigkeit anregen.

Drittes Kapitel.

Die Zone der Sahara.

Die wirtschaftliche Bedeutung der großen Wüste ist außerordentlich gering. Wir können sie aus diesem Grunde nicht eigentlich zu den großen Wirtschaftsprovinzen Afrikas rechnen. Wenigstens nicht in positivem