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Erster Teil.
Eine andere Keine von Krankheiten wird unmittelbar durch tierische Schädlinge übertragen. Ein mit Kecht gefürchteter Erzeuger solcher Infektionen ist die in Afrika heimische Tsetsefliege, deren Auftreten uns aus den verschiedensten Gegenden des tropischen Afrika bekannt ist und an manchen Stellen geradezu als schweres Verkehrshindernis empfunden wurde. So im Gebiet von Beira, wo man an den Bahnbau herangehen mußte, weil der Weg durch das „Fliegenland" für Ochsenwagen unpassierbar war. Diese tödliche Feindin verschiedener Haustiere, besonders des Kindes, ist aber keineswegs gleichmäßig über die von ihr bewohnten Tropenländer Afrikas verbreitet. Nach H. Büchel vermeidet sie sowohl die der See benachbarten Striche wie das offene Grasland, bevorzugt dagegen warme feuchte x\lluvialböden mit Waldbeständen und Strauchwerk. In Höhen von mehr als 1200 m soll sie ebenfalls fehlen. Indessen scheint es, als ob die Glossina morsitans von der fortschreitenden Kultur verdrängt würde.
Eine mittelbare Schädigung des Viehes durch Zerstörung der Weide und eine unmittelbare der landwirtschaftlichen Anpflanzungen verursacht dagegen ein anderer tierischer Feind der menschlichen Wirtschaft, die Wanderheuschrecke. Sie tritt in bestimmten Jahren in ungeheuren Massen auf und ist besonders gefürchtet in dem großen südafrikanischen Landwirtschaftsgebiet; in dem von diesem umgebenen Inneren der Kala- hari vermutet man das Herkunftsgebiet dieser kleinen Unholde, deren Massen, wo sie sich einmal niederlassen, unglaubliche Zerstörungen in der Pflanzenwelt hervorbringen. Auch sie hat man mit allen möglichen Mitteln zu bekämpfen versucht, doch wird es kaum gelingen, sie je in völlig ausreichendem Maße zu vernichten.
Auch auf diesem den Arzt und Naturwissenschaftler ebensosehr wie den Wirtschaftsgeographen interessierenden Felde gilt aber der Satz, daß erst die europäisch geleitete Bewirtschaftung des Landes die von den Schädlingen drohende Gefahr eindämmt und daß die Eingeborenen von sich aus eine dauernde und erfolgreiche Bekämpfung all der die Herden bedrohenden Krankheiten und sonstigen Schäden durchzuführen niemals imstande sein werden.
Achtes Kapitel.
Die wirtschaftliche Bedeutung der afrikanischen Bevölkerung.
Das wertvollste Kapital eines Landes ist der Mensch. Dieser Satz, seit vielen Jahren von einer Reihe von Kolonialpolitikern immer wieder betont, bedarf für einen Weltteil, in dem eine freie und wilde Natur zur Hervorbringung wertvoller Güter erst noch genötigt werden soll, kaum noch eines Beweises. Die Rückständigkeit des längst von Europäern in Besitz genommenen reichen Inneren von Südamerika beruht lediglich auf dem Mangel an Menschen. Doch wird uns die weitere Untersuchung zeigen, daß auch Afrika keineswegs an einem Überflusse von solchen krankt, wenngleich es erheblich günstiger dasteht als der Süden der neuen Welt. Hier mag eine Zahl, die in ihrer Verallgemeinerung kein sonderlich klares Bild gibt, zum Vergleich herangezogen werden, die der mittleren Bevölkerungsdichte der Kontinente. Afrika übertrifft mit seiner Volksdichte von 4,5 Südamerika, das nur eine solche von 3,0 zeigt. Aber während