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Wirtschaftsgeographie von Afrika / von K. Dove
Entstehung
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Sechstes Kapitel. Die wirtschaftliche Bedeutung der afrikanischen Pflanzenwelt. 35

Strecke von derselben Länge zurückzulegen wie die von Bremen nach Frankfurt a. M.

Verbindet der Viktoria die ringförmig um ihn gelagerten Landschaften, so werden der Nyassa und der Tanganika wegen ihrer langen, schmalen Gestalt vor allem den Verkehr von Süden nach Norden übernehmen. Was sie für diesen bedeuten, zeigen abermals am besten zwei Vergleiche mit bei uns allgemein bekannten Größen. Der Nyassa entspricht mit 550 km Länge einer Wasserstraße von der Länge der Entfernung zwischen Cuxhaven und Stuttgart, der Tanganika mit einer solchen von 650 km sogar derjenigen von Hamburg bis zum Bodensee.

Sechstes Kapitel.

Die wirtschaftliche Bedeutung der afrikanischen Pflanzenwelt.

Zum Beginn mag darauf aufmerksam gemacht werden, daß es un­möglich die Aufgabe dieses Kapitels sein kann, eine auf Vollständigkeit Anspruch machende Schilderung aller der Pflanzen und ihrer Erzeugnisse zu geben, die für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas überhaupt in Betracht kommen. Gerade auf diesem Gebiet muß das Sonderstudium dem Praktiker, sowohl dem Techniker wie dem Pflanzer und dem Kauf­mann, das Wissenswerte vermitteln. Hier soll er ebenso wie in den bis­herigen Kapiteln lediglich eine Übersicht über das Wichtigste gewinnen; er soll vor allem zu der Erkenntnis geführt werden, daß in Afrika noch unendlich viel ,,zu holen" ist, und diese Erkenntnis mag ihm dann je und je auch bei seinen diesen Weltteil betreffenden Plänen von Nutzen sein. Ebenso soll hier keine Kücksicht auf die allmähliche Entstehung dessen genommen werden, was durch nunmehr geschichtlich gewordene Einflüsse dem ursprünglichen Pflanzenschatze dieses Kontinents hinzugefügt ist. Wer sich dafür interessiert, wird des Studiums der grundlegenden Arbeit eines Stuhlmann nicht entraten können.

Wie reich Afrika trotz der geringen bisher in den Welthandel über­geführten Werte an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen ist, ergibt die Ausdehnung seiner fruchtbarenre Böden, die nach H. Wagner beinahe auf die anderthalbfache Größe Europas geschätzt werden können. Wie weit zurück indessen die tatsächliche Produktion an landwirtschaftlichen Gewächsen noch ist, ergibt sich daraus, daß erst 37 vom Hundert dieser Fläche als Kulturland bezeichnet werden können. Dabei ist ferner zu be­achten, daß der weitaus größte Teil des bereits bearbeiteten Bodens einer so ursprünglichen und zum Teil ganz unrationellen Bewirtschaftung unterzogen wird, daß seine Gütererzeugung nur einen kleinen Teil der bei zielbewußter Behandlung möglichen ausmacht.

Wollen wir übrigens die künftige Leistungsfähigkeit Afrikas auf dem Gebiete der Bodenkultur richtig beurteilen, so dürfen wir noch ein anderes nicht vergessen. Die von Waldland erfüllte Fläche, von der ein großer Teil ebenfalls in landwirtschaftlich nutzbare Gebiete verwandelt werden kann, gestattet die dazu nötige Umänderung in viel größerer Ausdehnung als in den anderen Weltteilen. Mit seinen 9 400 000 qkm Waldes übertrifft unser Kontinent zwar nur um ein weniges das räumlich kleinere Nordamerika. Aber dort ist ein sehr beträchtlicher Teil des Wald­bodens, vor allem der weitaus größte der kanadischen Wälderzone, über-

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