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Wirtschaftsgeographie von Afrika / von K. Dove
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Erster Teil.

von den Bewohnern rauherer Gegenden aufgesucht werden, wenn die all­gemeine Lebenshaltung drüben gestiegen sein und der Aufenthalt daselbst auch für den weniger Wohlhabenden möglich werden wird. Es ist das Zusammenwirken verschiedener klimatischer Faktoren, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, das einzelne Gebiete zu gerne aufge­suchten Kurlandschaften gemacht hat. Sonnenscheindauer, Luft­trockenheit, gleichmäßige Wärme zu allen Jahreszeiten und andere Einzel­züge der mittleren Witterung sind da in erster Linie zu nennen und ihr sorgfältiges Studium wie übrigens auch das der wirtschaftlichen und so­zialen Verhältnisse verdienen die Aufmerksamkeit der europäischen Ärzte in noch viel höherem Maße als sie sie bisher schon in Anspruch ge­nommen haben. Es lassen sich nun ganz bestimmte Gebiete aussondern, denen die Kuren fremder Besucher in steigendem Umfang zu einem wirt­schaftlichen Vorteil gereichen könnten. Für Krankheiten der Atmungs­organe kommen sowohl die sonnigen und trocknen Landschaften Nord­afrikas einschließlich der dem Nil benachbarten Wüstenstriche in Be­tracht wie auch viele Binnenlandschaften des außertropischen Südafrika. Nicht minder sind die in der Subtropenzone gelegenen Inseln im nördlichen Atlantischen Ozean zu diesen Gegenden zu rechnen. In den erwähnten Teilen von Südafrika kommen zu den sonstigen günstigen Eigenschaften des Klimas noch Wirkungen der großen Meereshöhe, die für manche Kuren ebenfalls erwünscht sind. Neben den angegebenen Leiden sind es nament­lich eine Reihe von Nierenkrankheiten, für die man ebenfalls afrikanische Klimakuren bevorzugen sollte, da die bei ihnen angezeigten Heilwirkungen sich in Europa überhaupt nicht in gleicher Weise erlangen lassen. Jeden­falls zeigt uns auch diese Angelegenheit, wie notwendig eine Erörterung aller Möglichkeiten ist, ehe man von einer seinen natürlichen Hilfsquellen wahrhaft entsprechenden Erschließung dieses großen Kontinentes durch die Europäer wird sprechen dürfen.

Fünftes Kapitel.

Das Wasser und das Wirtschaftsleben.

An die Behandlung des Klimas schließen wir am besten die Erörte­rung über die Rolle des Wassers im wirtschaftlichen Leben Afrikas an. Erkennen wir doch sogar im fließenden Wasser hier mehr als in anderen Weltteilen ein Erzeugnis der atmosphärischen Niederschläge. Auch spielt seine Verwendung in der Landwirtschaft weit mehr als in Europa in diesem an Steppen und zeitweilig trockenen Gegenden so reichen Lande in die Gütererzeugung hinein. Andere Ausblicke der Ausnutzung seiner Wasser­schätze gewährt wiederum die Betrachtung der Rinnsale und Ströme vom Standpunkte der Technik aus, in einzelnen ausgedehnten Ländern aber auch die im allgemeinen weniger bedeutsame Leistungsfähigkeit seiner größeren Wasserläufe im Verkehrsleben.

Beginnen wir mit dem Wasser in der Landwirtschaft. Bei der Rück­ständigkeit des Kontinents in der rationellen Bodenkultur ist sie noch viel zu wenig gewürdigt worden. Man muß sagen, daß große Gebiete selbst in den von guten Durchschnittsregen getroffenen Strichen gleichwohl bei der im vorigen Abschnitt erwähnten Eigenart des Klimas zwecks Erhöhung ihrer Produktions­fähigkeit zur Anwendung der künstlichen Bewässerung ge­radezu herausfordern.