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Wirtschaftsgeographie von Afrika / von K. Dove
Entstehung
Seite
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Drittes Kapitel. Der Aufbau Afrikas und das Wirtschaftsleben.

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jene den größten Teil des Kontinents mit ihren planmäßigen Fahrten um­spannten.

R. Baemm hat berechnet, daß im Jahre 1910 der Seeverkehr Afrikas 7 Hundertteile vom gesamten Seeverkehr der Welt umfaßte, wobei der Küstenverkehr der einzelnen Länder nicht mit eingerechnet ist. Da Afrika der Größe nach ein rundes Fünftel der bewohnten Erde einnimmt, so würde es schon damit stark hinter dem zurückbleiben, was man erwarten sollte. Auch ist bei jener Zahl der Tonnengehalt aller der Fahrzeuge mit eingerechnet, die nicht etwa einen einzelnen Hafen anlaufen, sondern deren eine ganze Eeihe besuchen. In der Menge der ein- und ausgeführten Ge­wichtstonnen würde also der Weltteil heute noch weit hinter jenem Anteil am Güterverkehr der Erde zurückbleiben.

Drittes Kapitel.

Der Aufbau Afrikas und das Wirtschaftsleben.

Der Bau eines Landes macht sich zunächst und am sinnfälligsten im Verkehr geltend. Seine Wirkung auf die übrigen Seiten des wirtschaft­lichen Lebens äußert sich in der Zusammensetzung des Bodens und in der Verteilung der in dessen Innern etwa schlummernden Mineralschätze, doch tritt diese in den großen Landmassen und in ganzen Kontinenten gegenüber der Wirkung des Aufbaus auf das Klima sehr zurück. Da wir diese aber nur noch als eine mittelbare Einwirkung ansehen können, so wird sie in einem besonderen Kapitel behandelt werden.

Von größter Wichtigkeit ist die Entwicklung der Küsten, die natürlich auch in engem Zusammenhange mit den in das Innere führenden Wegen betrachtet werden kann. Vor einer allzu schulmäßigen Auffassung der sogenannten Küstenentwicklung bei dieser Gelegenheit ist indessen zu warnen. Viel wichtiger als die aus ihr hergeleiteten Theorien ist die Be­rücksichtigung der tatsächlich vorhandenen Hafenlandschaften, die keines­wegs so minderwertig sind, wie eine frühere Zeit sie darzustellen liebte. Am deutlichsten tritt uns die Küstenentwicklung als wirtschaftlich wirk­same Eigenschaft noch entgegen, wenn wir uns bewußt sind, wieviel Quadratkilometer auf ein Kilometer Küstenlänge entfallen, d. h. also ge­wissermaßen von diesem aus mit dem die Erdteile verbindenden Ozean in Zusammenhang gesetzt werden. Diese Rechnung ergibt allerdings keine sehr günstige Stellung für unseren Weltteil, besonders im Vergleich mit Europa. Auf jedes Kilometer Küste kommen im festländischen Afrika allerdings rund 960 qkm, in Europa dagegen 250. Aber wie wenig selbst dieses Verhältnis von Größe und Küstenlänge besagen will, zeigt ein Ver­gleich mit Asien, das scheinbar günstiger gestellt ist; d. h. wenn wir die eben angeführte Rechnung ausführen, ergibt sich allerdings eine Zahl von nur 590 qkm für diesen riesigen Kontinent. Aber in Wirklichkeit kommt ein sehr bedeutender Teil seiner Küsten für den großen Verkehr überhaupt nicht in Frage.

In der Tat ist es ein anderer Umstand, der Afrika benachteiligt er­scheinen läßt und auf den gleich nachher eingegangen werden wird, nämlich der lineare Bau des Innern. Dagegen besitzt es eine Reihe guter Anlege­punkte. Ob einige von diesen erst durch Kunstbauten zu dem geworden