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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.

dieser Eichtling her denkbar. Die in dem breiten Bette während einer oder mehrerer Trockenzeiten etwa aufgesammelten Sandmassen vermögen indessen das rechte Ufer nicht sonderlich zu schädigen, denn der Swakob erreicht das Meer von Zeit zu Zeit als ein dermafsen starker Strom, dafs er im stände ist, alle lockeren Anhäufungen in seinem Bette in den Ozean zu befördern. Das war in der Regenzeit 1892/93 der Fall, wo sogar die Uferablagerungen durch den Flufs beträchtlichen Veränderungen unterworfen wurden. Ein Gleiches aber mufs häufig geschehen sein und auch noch geschehen, denn die vom Flusse in das Meer geführten Sinkstoffe müssen weit hinaus den Boden bedecken. Dies zeigte sich deutlich während einer mehrtägigen Nordwindperiode Ende Juli 1892; in diesen Tagen war die Walfischbai von feinen Schlammteilchen tiefbraun gefärbt, und Missionar J. Böhm teilte mir mit, dafs diese Färbung sich jedesmal nach einem ausnahmsweise länger anhaltenden Winde aus der angegebenen Richtung zeige.

2. Walfischbai.

Die Walfischbai ist die einzige bekannte Stelle der nördlichen Küstenhälfte, welche den Namen eines gröfseren Hafens verdient. Jedoch ist es wesentlich nur der Schutz gegen Dünung und See, welcher die Bucht brauchbar erscheinen läfst, denn das jahraus jahrein sich gleichbleibende Wehen des Windes aus einem Quadranten hat zu einer ziemlich weitgehenden Verfiachung des Uferwassers geführt. So senkt sich das vor den Dünen etwa 3 km breit gelagerte Flachland so langsam, dafs selbst Schiffe von weniger als 400 Tonnen genötigt sind, mindestens 1000 m vom Strande entfernt zu ankern. Ungünstig wirkt ferner der Südwestwind, dessen Stärke im Laufe der ersten Nachmittagsstunden meist so sehr zunimmt, dafs in den späteren Tagesstunden der Verkehr zwischen Schiff und Land erschwert wird.

Die Flachheit der Küste zeigt sich auch in dem weiten Vordringen lagunenartiger Bildungen in das Land, aber weit mehr als dieser Übelstand ist es die Schwierigkeit des Verkehrs mit dem Innern, welche Walfischbai gegen die neue deutsche Landungsstelle geradezu als benachteiligt erscheinen läfst. Zwar ist Wasser in der Nähe der Bainieder­lassung vorhanden, aber dasselbe ist brackig und übelschmeckend, und Futter ist für die nach dem Innern gehenden Ochsengespanne erst in einer Entfernung von rund 50 km zu er­warten. Aufserdem ist das breite Bett des Kuiseb, in dem die Niederlassung von Walfisch- Bai zum Teil auf Sandsäcken errichtet ist, in einiger Entfernung von einem nach dem Innern zu ansteigenden Dünengürtel umgeben, dessen Breite an dem Hauptwege nach Osten etwa 12 km beträgt. Der Fluis, der das Meer nur etwa alle zehn Jahre einmal oberflächlich erreicht 1 ), ist selbst dann nicht stark genug, mit dem Dünengebirge aufzu­räumen, welches deshalb zu den gröfsten Verkehrshindernissen des Landes zu rechnen ist.

3. Hottentottbai.

Hottentottbai ist eine kleine, durch eine nordsüdlich verlaufende Landzunge vollständig geschützte Bucht, etwa unter 26° S. Br. Am Ufer treten an verschiedenen Stellen aus dem Sande Klippen hervor, deren Oberfläche zumeist von Guanolagern bedeckt ist. Leider ist der vollständige Schutz des Hafens der einzige Vorteil, den derselbe bietet, denn die Bai ist von so gewaltigem Dünengebirge umgeben, dafs sich kaum ein fahrbarer Weg in das Innere finden lassen dürfte. Zudem ist das östlich von dem Dünenwalle liegende Gebiet zur Zeit völlig unbekannt. Es soll indessen möglich sein, von hier in das Innere zu gelangen. Wieweit dies richtig ist, habe ich nicht ermitteln können. Thatsache ist, dafs behauptet wurde, die Hottentotten Hendrik Witboois erhielten Munitionszufuhren über die Hottentottbucht, womit allerdings das Verhalten des englischen PostdampfersNautilus"

l ) Nach Angabe von Missionar J. Böhm und des Laudungsagenten Koch in Walfischbai.