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Kreuz und quer durch Marokko : Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens ; Mit 1 Taf., 163 Abb. im Text und 1 Übersichtskt. / Von Otto C. Artbauer
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IS. Sine marokkanische BepuKtiK.

Lied des Khabir. Augen der wüste. Hie Dorfgrupxe. Der Kaum von Figig. Bu Amama el bu Sck?iki. Sein Kampf gegen Fremdherrschaft, Abd el Kader II. Figig, von Franzosen armiert. Der Schienenstrang nach Senaga. Bombardement des Hanptortes. Franzosische Schießkunst und Lcbel- gewehre im Sandsturm. Ghnmacht des Sultansvcrtrcters. Geographische Gesetze. Fricdensbilder.

ie Geliebte nähert sich, doch ihr Gesicht ist verschleiert. Palmstämme des Tales neiden ihr den biegsamen Wuchs,

den graziösen. Plötzlich entfernt sie den verdeckenden Schleier, und vor Überraschung aufschreien die Wanderer. Ist es ein Blitz, der über unseren Aöpfen glänzte, oder haben freie Wüstensöhne ein Feuer entzündet?"

So singt der Ahabir mit seinen Begleitern, wenn ihre die Sahara kreuzende Aarawane in Sicht einer Gase kommt, deren grüßende Palmen süße Ruhe nach strapazenreichen Tagen verheißen.

Wen nach tage- und wochenlangen Märschen über glühende Steinfelder und endlos sich dehnende Sanddünen in denAugen der Ulüste" wohltuende Aühle umfangen, wer nach entbehrungsreichen Aarawanenreisen durch Asiens oder Afrikas endlose Wüsten und Steppen eine Gase betreten, darin ersehnten Schatten und frisches Wasser gefunden und seine müden Glieder in saftigem Grün reich­sprießender Tropenvegetation wonnig gedehnt, wer in mondhellen Nächten gelauscht dem hundertfältigen Leben, das hier, fremdartig und reizvoll dem Abendländer, bunte reichartige Fäden webt, während rundum in heißer Wüstenregion hundertförmiger Tod lauert, dein bleiben unvergeßlich die Stunden, die er inmitten des Sandmeeres auf grüner Insel verlebte. Der begreift Nomadensohn und Aarawanen- mann, wenn sie die Gase in blumenreicher Sprache besingen, sie im Überschwang der Gefühle der fernweilenden Geliebten vergleichen.

Line solche ist Figig am Nordrande der Sahara das kürzlich noch vielbesprochene Raubnest, der Sammelplatz aller Unzufriedenen an der algero-marokkcmischen Grenze. Hier winken hohe grüne Palmkronen, reichtragende Glbäume und dichte Grangenhaine, hier frieden frucht­strotzende Feigen- und Granatbüsche dunkle Weingärten ein, dazwischen sprudeln Quellen und murmeln klare Bäche, und über dem entzückenden Gesamtbilde herrscht trotz heißbrennender Sonne paradiesisches Rlima.

Umrahmt von mächtigen Ausläufern des Großen Atlas liegt Figig als letztes, nördlichstes Glied einer langen Vasenkette, die sich am Rande des Areg dem Uadi Saura und der Susfcmna entlang nordwärts zieht. Eigentlich ein Alumpen von zehn größeren und

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