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Kreuz und quer durch Marokko : Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens ; Mit 1 Taf., 163 Abb. im Text und 1 Übersichtskt. / Von Otto C. Artbauer
Entstehung
Seite
116
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'ein halbverwittertes Mauerstück den Fuß einsamer Wanderer, welche diese Stätte altarabischer Aultur betreten. Stille Hirten weiden schlapp­ohrige, gehörnte Schützlinge zwischen den spärlichen Resten glanzreicher Zeiten, zielen mit der lcmgrohrigen Begleiterin nach riesigen Geiern, die hoch oben im ewigblauen Äther ihre Areise ziehen. Da kracht der Schuß, und ein leichtbeschwingter Räuber der Lüfte sinkt flügel­schlagend herab in die tote Maurenstadt, deren Umfang und Trümmer­reste daran gemahnen, daß jeder Stillstand eben Rückgang bedeutet.

15. Marokkanisches Postwesen.

Der Rakkas. Daucrlänfer unter erschwerenden Umständen. Nachrichtenwesen im Sultanat. Beliebtheit deutscher Mastanstalten. Französische, englische und spanische Postämter. Überfälle auf Postläufcr. Deren Pflichttreue, Ein vergessener Frack. Psychologisches.

uf Marokkos Aarawancnstraßen begegnet man häufig einem gar sonderbaren Wanderer. Sein Aops ist mit dicken Tüchern umhüllt gegen allzu freundliche Strahlen der Sonne, barfuß, zurSeiteeinen irdenen Wasserkrug, den unver­meidlichen Aukkas in der Hand und die leichte Schkara aus Bin­sengeflecht am Rücken, so eilt er vorbei, die Begegnenden kaum eines Blickes würdigend. Es ist ein Rakkas, ein Postbote. Eigen­artig genug nimmt er sich aus neben den würdigen uniformier­ten Amtsbrüdern des gesitteten Europa. Aber wenn diese schon über wohlausgebildete Beinmus­keln verfügen müssen und über gesunde Lungen, der marokka­nischeBriefträger" genügt noch ganz anderen Anforderungen.

Der vielgeplagte Mensch durchläuft die Straße Fes- Tanger in drei Tagen, gute Maultiere benötigen zur selben Strecke sechs bis sieben Tage. Laufend nimmt er etwas Brot oder Feigen zu sich, weil er sich

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Abb. 89. Marokkanischer Rakkas.